Unwetter: Wittener Muttental-Museen kämpfen mit den Folgen

Muttenthalbahn-Museum nach Unwetter mit Leiter Hannsjörg Frank davor

Unwetter: Wittener Muttental-Museen kämpfen mit den Folgen

Von Daniel Chur

Zwei Wochen nach dem Unwetter machen dessen Folgen mehreren Museen im Wittener Muttental zu schaffen. Eines wurde überflutet, ein weiteres teilweise verschüttet.

Hannsjörg Frank hat keine Ruhe. Immer wieder sorgt er sich, wenn neuer Regen kommt. Beim Vorsitzenden des Vereins vom Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia, das die historische Muttenthalbahn betreibt, sitzt der Schock noch tief. Vor zwei Wochen rutschte durch das Unwetter ein Teil des Hanges hinter dem Museum ab, verschüttete mehrere frei stehende Loks und drückte sogar die Wand eines Lokschuppens ein.

Muttenthalbahn-Museum nach Unwetter, zerstörte Lok in Schuppen

In dem eingestürzten Schuppen wurde auch eine historische Lok beschädigt

Überall war Schlamm, Geröll - ganze Bäume kamen mit herunter. Verletzt wurde niemand, aber der Sachschaden ist hoch. Hannsjörg Frank schätzt ihn auf mehrere hunderttausend Euro: "Wahrscheinlich lässt sich alles reparieren. Aber es ist eine Riesenarbeit, die Züge zu entschlammen und das Gelände wieder herzurichten."

Abgerutscher Hang sorgt für Probleme

Sorge macht ihm der Hang. Frank befürchtet, dass er weiter abrutschen könnte. Oder dass zumindest bei starkem Regen weitere Wasser- oder Schlammmassen in seinem Museum Schaden anrichten könnten: "Gestern kam ein Schauer und ich habe dann klitschnass noch eine Rille gekratzt, damit das Wasser ablaufen kann."

Auch die vielen Formalitäten, die jetzt zu regeln sind, mit Versicherungen, mit der Denkmalbehörde, mit Anträgen für Hilfsfonds, halten den Museumsleiter auf Trab. Immerhin ist er optimistisch, dass das Museum wieder öffnen kann. Und auch mit der großen Hilfsbereitschaft der Menschen hätte er so nicht gerechnet.

Was lernen wir aus dem Hochwasser?

WDR RheinBlick 23.07.2021 29:53 Min. Verfügbar bis 23.07.2022 WDR Online


Download

Viele Spenden, Unternehmer hilft mit Kran

"So viele Leute, die schon seit Jahren hierhin kommen und deren Kinder, die jetzt schon mit ihren Kindern kommen, haben für uns gespendet", sagt Hannsjörg Frank, hoch emotional und sichtlich gerührt. Sogar Museen aus Tschechien und Ungarn hätten gespendet. "Das berauscht uns positiv - und das macht Mut."

Dieses Element beinhaltet Daten von Facebook. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Mut hat ihm auch ein Unternehmen gemacht, das diese Woche mit einem Kran kam und kostelos mehrere tonnenschwere Grubenlokomotiven aus dem Geröll holte. Viele Knappenvereine aus der Umgebung bieten der Muttenthalbahn zudem Hilfe an.

Museum überflutet, Brücke eingestürzt

Eingestürzte Brücke vor Museum Zechenhaus Herberholz im Wittener Muttental nach Unwetter

Zerstörte Brücke am Zechenhaus Herberholz

Solche Solidarität erfährt auch das Zechenhaus Herberholz, etwas oberhalb im Muttental. Das kleine Bergbaumuseum mit angeschlossenem Cafe liegt am Muttenbach, der beim Unwetter plötzlich zum reißenden Strom wurde. Das komplette Museum wurde überflutet. Das Wasser zerstörte sogar eine Betonbrücke vor dem Gebäude.

Auch hier ist der Schaden groß, berichtet Heinz Eberle, Pächter des Zechenhauses. Historische Bergbaudokumente seien zerstört, ebenso wie die komplette Küche des denkmalgeschützten Hauses.

Kritik an der Stadt Witten

Dennoch sagt er: "Jetzt erst recht!" Denn auch hier will man spätestens zur nächsten Saison wieder eröffnen und auch hier sei die Unterstützung durch andere Vereine und Spender groß. "Im Ruhrgebiet halten wir zusammen", so Eberle.

Kritik üben beide Museen an der Stadt Witten. Diese unterstütze sie in der Krisensituation zu wenig, sagen sie. Man bemühe sich derzeit intensiv um Fluthilfe-Gelder, so ein Stadtsprecher, der aber einräumt: "Leider geht das nur zäh voran."

Stand: 29.07.2021, 08:35