Mülheimer Deichgräf: "Ein Wunder, dass der Deich gehalten hat"

Ruhrdeich hat gerade noch gehalten

Mülheimer Deichgräf: "Ein Wunder, dass der Deich gehalten hat"

Von Olaf Biernat

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass der Ruhrdeich marode ist. Nur mit Sandsäcken konnten Helfer beim Hochwasser verhindern, dass der Wall bricht. Jetzt könnte eine Sanierung doch schnell gehen.

Volker Neuhaus ist der Deichgräf und hat einen landwirtschaftlichen Betrieb mitsamt Pferdehof direkt an der Ruhr. Während des Jahrhundert-Hochwassers vor wenigen Tagen habe er "Blut und Wasser geschwitzt", dass der Deich, der seinen Betrieb vor einer Überflutung schützen soll, hält. "Ich hatte ziemliches Nervenflattern", sagt Neuhaus.

Maroder Deich schon lange bekannt

Denn seit vielen Jahren weiß Neuhaus, dass der Deich an drei Stellen marode ist. Und genau diese Stellen am Fuß des Walls wurden von Helfern zusätzlich mit Sandsäcken gestützt. Es ist gut gegangen. Doch Sorgen macht sich der Landwirt immer noch.

Deich-Sanierung seit Jahren Streitthema

Mülheimer Deichgräf hofft auf Sanierung des Ruhrdeiches

Deichgräf Volker Neuhaus hofft auf eine Sanierung des Ruhrdeichs

Genau um diese Schwachstellen geht es jetzt bei der Aufarbeitung des Hochwassers. Mehrere Gutachten zeigen, dass drei Stellen am Deich-Fuß marode sind. Darauf hatte Volker Neuhaus als Deichgräf wiederholt hingewiesen, er ist Vorsitzender des Deichverbandes, einem Zusammenschlusses von Anwohnern und Gewerbetreibenden an der Ruhr. Gemeinsam mit der Stadt war man auf die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde zugegangen, doch die hatte eine Sanierung der maroden Stellen immer abgelehnt.

Maroder Deich soll falsch gebaut worden sein

Der Grund: Der Deich sei in den 1930er Jahren falsch gebaut worden, man müsse ihn komplett neu bauen. Kosten: 16 bis 20 Millionen Euro. Von denen hätte der Deichverband einen erheblichen Eigenanteil zahlen müssen, doch dazu war er nicht in der Lage. Die Deichsanierung wurde auf Eis gelegt. Doch nach dem Hochwasser scheint wieder Bewegung in die Diskussion zu kommen.

Wende beim Thema Deich-Sanierung

Nach Angaben der Stadt Mülheim laufen wieder Gespräche mit der Bezirksregierung. "Wir waren überrascht, dass der Deich gehalten hat und das bei dem Jahrhundert-Hochwasser", sagt Gabriele Wegner von der Stadt Mülheim. Angesichts des Jahrhundert-Hochwassers glaubt die Stadt an ein Umdenken bei der Aufsichtsbehörde. Denn jetzt könnte eine Sanierung der maroden Stellen doch ausreichen und ein kompletter Neubau wäre überflüssig. Die Gespräche werden in den kommenden Tagen (Stand 26.07.2021) fortgesetzt.

Hoffnung auf schnelle Lösung

Allerdings hat der Deich nur gehalten, weil die Feuerwehr und andere Helfer massenweise Sandsäcke in den Wall eingebaut haben. "Die Situation war spitz auf Knopf", sagt Deichgräf Volker Neuhaus. Er hat durch das Hochwasser zahlreiche Schäden vor allem auf seinen landwirtschaftlichen Flächen hinnehmen müssen. Der Schlamm hat sich in die Felder gelegt, so dass das Heu nicht mehr als Futtermittel zu gebrauchen ist. Jetzt hofft er gemeinsam mit den anderen Betroffenen auf eine schnelle Sanierung des Deiches.

Was ist ein Deichgraf bzw. Deichgräf?

Ein Deichgraf - oder am Niederrhein "Deichgräf" genannt - ist der Vorsteher eines Deichverbandes.

Deichverbände sind Wasserverbände mit der Spezialaufgabe Hochwasserschutz, oft kombiniert mit anderen wasserwirtschaftlichen Aufgaben, wie z. B. Gewässerunterhaltung oder Schöpfwerksbetrieb. Häufig trägt ein Verband auch den Namen Deichschau. Die Organisation der Wasser- und Bodenverbände - soweit sie nicht nach NRW-Sondergesetzen gegründet wurden - ist bundesweit geregelt über das Wasserverbandsgesetz (WVG). Die dort genannten Grundzüge legen die Anforderungen an die Organisationsstruktur fest. Die Begriffe, die die Deichverbände und ihre Gremien beschreiben, sind meist historisch entstanden und klingen in unseren Ohren oft sehr eigentümlich.

Quelle: Bezirksregierung Düsseldorf

Stand: 28.07.2021, 08:30