Dortmunder Schalla-Mordfall: Aufklärung durch Gutachten?

Mordfall in Dortmund: Aufklärung durch neues Gutachten? WDR aktuell 07.01.2019 00:31 Min. Verfügbar bis 07.01.2020 WDR

Dortmunder Schalla-Mordfall: Aufklärung durch Gutachten?

  • DNA-Expertin hat Gutachten erstellt
  • Wie viel Beweiskraft hat eine einzelne Hautschuppe?
  • Verteidigung zweifelt Hautschuppe an

Im Jahr 1993 wurde die damals 16-jährige Dortmunderin Nicole-Denise Schalla getötet. Eine einzelne Hautschuppe hatten die Ermittler im Sommer 2018 auf die Spur des Angeklagten Ralf H. geführt – 25 Jahre nach der Tat.

Eine DNA-Expertin hat seit 2007 mehrere Gutachten in dem Fall erstellt. Am Montag (07.01.2019) ging es unter anderem um die Frage, ob eine einzelne Hautschuppe genug Beweiskraft hat, um Ralf H. des Mordes an Nicole-Denise Schalla zu überführen.

Hautschuppe 2018 entdeckt

Schwarz-Weiss-Bild von der 16-jährigen Nicole Schalla

Personalausweis: Nicole-Denise Schalla

Die Hautschuppe des Angeklagten Ralf H. war im vergangenen Jahr gefunden worden: Auf einer 25 Jahre alten Folie, mit der damals Spuren an dem getöteten Mädchen gesichert wurden. Diese Folie wurde in Teilen in der Asservatenkammer gelagert, um sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal analysieren zu können, wenn die Untersuchungsmethoden besser geworden sind.

2018 war es soweit: Einen Teil der Folie gaben die Ermittler an ein forensisches Labor. Die Mitarbeiter dort entdeckten die Hautschuppe auf der Folie.

Wie aussagekräftig ist die Hautschuppe?

Die alles entscheidende Frage, ob die Hautschuppe beweise, dass der Angeklagte Ralf H. damals vor Ort gewesen sein muss, konnte die DNA-Expertin nicht eindeutig beantworten. Es sei allerdings die wahrscheinlichste Erklärung, so die Biologin der Rechtsmedizin München. Diese Ansicht hat eine weitere Sachverständige Ende Januar bestätigt. Laut Verteidigung könnte die Hautschuppe auf unterschiedlichste Arten auf die Folie gelangt sein.

Entlassung des Angeklagten beantragt

Die Probe beweise daher nicht, dass Ralf H. am 14. Oktober 1993 Nicole-Denise Schalla ermordet habe. Sie beweise noch nicht einmal, dass er an dem Tag vor Ort war, so Verteidiger Gencer Demir. Er will daher Freispruch fordern und hat am Montag die Entlassung seines Mandanten aus der U-Haft beantragt. Darüber will das Gericht in dieser Woche entscheiden.

Weitere DNA-Spur sichergestellt

Der Staatsanwalt hält den Fundort der Hautschuppe für auffällig: Sie soll im Leistenbereich des Mädchens sichergestellt worden sein. Eine weitere männliche DNA-Spur wurde bei neuen Untersuchungen zwar ebenfalls gefunden. Die hatte sich aber lediglich auf dem T-Shirt des Mädchens befunden.

Am Montagnachmittag wurden noch Zeugen befragt. In der nächsten Woche wird dann mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gerechnet.

Stand: 07.01.2019, 14:58