Trauriger Abschied: Kaufhof in Essen für immer geschlossen

Trauriger Abschied: Kaufhof in Essen für immer geschlossen

Von Paul Patrick Nelles

Der Kaufhof in der Essener Innenstadt ist Geschichte. Gestern hat das traditionsreiche Warenhaus für immer geschlossen. Ein trauriger Tag für Kunden und Mitarbeiter.

Es quietscht und klappert. Zum letzten Mal fährt das Gitter vor dem Haupteingang hoch. Die Schlange der Schnäppchenjäger kriecht ins Haus. Es ist fast leer. Nur im Erdgeschoss gibt es noch die letzten Ladenhüter - Klarsichthüllen, Partykostüme und Billiguhren. Jetzt noch billiger: Minus 90 Prozent!

"Schlimm", sagt ein Stammkundin, die gekommen ist, um Abschied zu nehmen. "Wie eine Plünderung." Michaela Bongartz bricht es das Herz: "Die sollen ganz schnell alles mitnehmen. Denn je länger es dauert, desto größer ist der Schmerz." Die Dekorateurin und Betriebsrätin ist eine der rund hundert Beschäftigen, die hier ihre Arbeit verlieren. Das Haus, das jetzt ein Ramschladen ist, war für viele ihr Leben.

"Wir waren wie eine Familie"

Für Heike Wölfert etwa. Sie hat vor 35 Jahren in der Spielwarenabteilung gelernt und ist bis zum letzten Tag dort geblieben. "In der vierten Etage mit den Super-Kollegen sind wir zusammengewachsen wie eine Familie", sagt sie.

Michael Wasna hat hier 1987 als Lehrling angefangen. "Und heute haben wir zum letzten Mal in der Kantine gefrühstückt. Wir haben uns genau da hingesetzt, wo wir früher immer saßen als Auszubildende. Es tut weh."

Kaufhof-Geschichte beginnt in den 1920er Jahren

Die Geschichte des Essener Kaufhofs reicht zurück in die 1920er Jahre. Die Arbeiterstadt Essen war schon damals auch Stadt der Konzerne und der gut verdienenden Angestellten. Für diese Kundschaft wurde am Tor zur Innenstadt das "Deutsche Familienkaufhaus" gebaut. In den siebziger Jahren wurde es zu Horten, später zu Galeria Kaufhof. Die Fusion mit Karstadt zur Galeria Karstadt Kaufhof kam erst im vergangenen Jahr.

Defaka Deutsches Familienkaufhaus Essen 1959

Der heutige Willy-Brandt-Platz in Essen in den fünfziger Jahren. Links im Bild: Das Deutsche Familienkaufhaus. Dort steht heute der geschlossene Kaufhof.

"Arbeitslosigkeit wird nur hinausgezögert"

Bis jetzt haben nur wenige Mitarbeiter einen neuen Job gefunden. Michael Wasna hat sich auch schon beworben, aber nur Absagen bekommen. "Mit 53 Jahren auf dem Puckel will einen keiner mehr einstellen."

Wie die meisten seiner Kollegen wechselt Wasna jetzt für ein halbes Jahr in eine Transfergesellschaft. Die soll bei der Arbeitssuche helfen. Doch Wasna glaubt, dass damit nur die Arbeitslosigkeit hinausgezögert wird. "Damit wird der Eindruck erweckt, die tun etwas für uns", sagt er. "Ich glaube nicht, dass es etwas bringt".

Das Haus wird saniert

Ein Neustart nach der Zeit mit Kaufhof wird schwer, meint auch Michaela Bongartz. "Wir dachten, wir bleiben bis zur Rente, wie alle Kollegen vor uns. Doch der Plan geht ja jetzt nicht mehr auf."

Der Kaufhof in Essen ist für immer geschlossen. Doch das Haus bleibt stehen. Der Eigentümer – ein Kölner Immobilienunternehmen – will das Gebäude sanieren und in zweieinhalb Jahren wieder eröffnen. Als Geschäftshaus mit ein paar Läden, Büros – vielleicht mit einem Hotel. Ein Warenhaus wird es hier nicht mehr geben.

Stand: 15.10.2020, 13:45