Mit den Augen von Demenzkranken sehen

Mit den Augen von Demenzkranken sehen

Von Kay Bandermann

  • Schulungsprogramm für Angehörige und Pflegepersonal
  • Betroffene sollen Verhalten verstehen
  • Student aus Remscheid entwickelte die Aufgaben

Auf den ersten Blick wirkt alles spielerisch. Es geht vor allem um Geschicklichkeits-Übungen: etwas auf dem Löffel balancieren, Spielzeugautos auf einem vorgezeichneten Weg führen oder Mondgesichter malen - allerdings spiegelverkehrt. Das erfordert enorme Konzentration und es verwirrt. Es ist einfach frustrierend, wenn selbst der x-te Versuch fehlschlägt.

Dann fliegt auch mal der Teller vom Tisch

Ein Schild, auf dem Wörter spiegelverkehrt stehen

Wer spiegelverkehrt schreiben muss, erfährt, wie sich ein Demenzkranker fühlt

Genauso fühlen sich demenzkranke Menschen. Wenn eine an sich einfach erscheinende Handlung nicht mehr klappt, reagieren sie oft aggressiv. Beim Essen werde dann geflucht oder der Teller fliege vom Tisch, sagt Regina Misiok-Fisch, Leiterin des Dortmunder Christinen-Stifts. Was das Umfeld dann aber einfach nicht nachvollziehen könne.

Eine weitere Übung: Sich eine Liste mit Alltagsgegenständen in zwei Minuten einzuprägen. Danach wird abgefragt, woran man sich noch erinnert. Um die Aufgabe zu erschweren, wird eine Brille aufgesetzt, die ein typisches Augenleiden (Grauer Star, Makula-Degeneration) simuliert und gleichzeitig wird ein Ball hin- und hergeworfen. Es ist extrem schwierig, sich unter diesen Bedingungen zu konzentrieren. Und genau das empfindet ein Demenzkranker.

Schulungsprogramm wird verkauft und verliehen

Ausgedacht und entwickelt hat das interaktive Erkenntnisspiel der 21-jährige Psychologie-Student Leon Maluck aus Remscheid. "Hands on Dementia" nennt er sein Schulungsprogramm. Er verkauft das Programm, verleiht es aber auch. Seine Botschaft: "Es wäre gut, nachempfinden zu können, wie es Menschen mit Demenz geht", so Leon Maluck.






Stand: 09.08.2018, 13:20