Essener Migrantenvereine arbeiten Gewaltvorfälle auf

Essener Migranten-Fußballvereine arbeiten Gewalt-Vorfälle auf

Essener Migrantenvereine arbeiten Gewaltvorfälle auf

  • Migrantenvereine sind häufig an Gewaltvorfällen beteiligt
  • Die Clubs werden in vielerlei Hinsicht benachteiligt
  • Wissenschaftler wollen das Image der Vereine verbessern

Die Vereine heißen zum Beispiel "FC Alanya" oder "Al-Arz Libanon". Sie machen regelmäßig Erfahrungen mit Gewaltvorfällen im Amateurfußball. In dieser Saison war ein Fall besonders auffällig: nach einer Roten Karte jagte fast die komplette Mannschaft von "Fatihspor" den Schiedsrichter über den Platz, verletzte Gegenspieler, die sich ihnen in den Weg stellten. Damit soll jetzt Schluss sein.

Der Sportwissenschaftler Ulf Gebken von der Universität Duisburg-Essen hat am Montagabend (22.05.2017) die Vertreter von acht Migrantenvereinen in der Uni zusammengetrommelt. Drei Jahre lang will er mit ihnen arbeiten, Fälle aufarbeiten und das Image verbessern. Er hat zahlreiche Studien und Urteile von Sportgerichten ausgewertet. Und dabei mehrere Gründe ausgemacht, warum Migrantenvereine immer wieder in Gewaltvorfälle verwickelt sind.

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"Schiedsrichter gucken genauer hin, wenn Migranten auf dem Platz stehen", sagt Ulf Gebken. Außerdem haben die Migrantenvereine oft keine eigenen Vereinsheime, müssen sich die Clubhäuser mit anderen Vereinen teilen. Zudem hätten viele Trainer keine Übungsleiter-Lizenz und viele Spieler seien Heißsporne, die nur schwer zu zügeln seien. Und vor den Spruchkammern würden sich Spieler nach Gewaltvorfällen unklug verhalten und so eine höhere Strafe kassieren.

Emre Tasci vom Verein "FC Alanya" bestätigt, dass sein Verein häufig benachteiligt werde. Warum das so ist, könne er sich nicht erklären. "Wir haben mittlerweile Gewaltpräventions-Trainings gemacht und Spieler werden persönlich beraten". Trotzdem komme es immer noch zu Vorfällen. Und Yusuf Tekin von Barisspor Essen beklagt, dass man sich die Sportanlage mit einem anderen Verein teilen muss. "Wir haben nur einen Schlüssel bekommen für die Umkleiden." Das ist alles nicht einfach.

Sportwissenschaftler Gebken sieht große Potenziale in den Vereinen: "Sie sind oft warmherziger als deutsche Clubs und kümmern sich mehr um einzelne Spieler." Die Wissenschaftler wollen eng mit den Vereinen zusammenarbeiten, an Mannschaftsabenden teilnehmen und Konflikte aufarbeiten.

Auch für ein besseres Image wollen sie arbeiten und dafür sorgen, dass sie im Fußballverband besser akzeptiert werden. Doch der Forscher rechnet auch mit Rückschlagen. Deshalb ist das Projekt auf drei Jahre angelegt.

Stand: 23.05.2017, 06:45