Rücktritt von Özil: Weltstar steht nicht gern im Rampenlicht

Mesut Özil

Rücktritt von Özil: Weltstar steht nicht gern im Rampenlicht

Dass der ungern in der Öffentlichkeit stehende Fußball-Weltstar Mesut Özil ein Social-Media-Star ist, mag zunächst überraschen.

Allein bei Twitter hat er 23 Millionen Follower - das sind mehr als sein Verein FC Arsenal, der FC Bayern und die deutsche Nationalmannschaft zusammen haben. Diese Kanäle boten Özil aber auch immer ein wenig Schutz vor den Medien.

Hier teilte er sich mit oder ließ mitteilen. Medienarbeit war für ihn eine regelrechte Qual. Özil mag wenig über sich erzählen. Auch und gerade nicht über die beiden Herzen, die in seiner Brust schlagen. Sein Vater Mustafa sagte der "Bild"-Zeitung kürzlich: "Er ist 80 Prozent deutsch, 20 Prozent türkisch."

Entscheidung für Deutschland

Deshalb hat er sich dafür entschieden, für Deutschland zu spielen. Eine Entscheidung, die ihn aber große Überwindung gekostet hat. 2007 erklärte Mustafa Özil in einem gemeinsamen Interview im Magazin "Rund", dass auch er dafür angefeindet wurde: "Auch mein eigener Schwager hat dagegen protestiert, dass Mesut für den DFB spielt."

In der "Bild" sagte er kürzlich: "Wie hätte er sich für ein Land entscheiden können, das er nur aus dem Urlaub kennt? Dessen Mentalität ihm fast fremd ist?"

Botschafter zu sein war nicht seine Rolle

Weil die Entscheidung eine solch brisante war, hat Mesut Özil nie die Forderungen nach (weiteren) klaren Bekenntnissen zum DFB verstanden. Auch nie die polemische Diskussion darüber, dass er die Hymne nicht mitsingt. Doch zur Aufklärung hat er selten beigetragen. Denn auch Botschafter war nicht seine Rolle.

Sein persönliches Handeln war geprägt von einer Devise: Er wollte es immer allen recht machen. Man kann ihm daher auch glauben: Das Foto mit dem Präsident Recep Tayyip Erdogan sollte kein politisches Statement sein. Im Bestreben, es allen recht zu machen auf diesem Terrain, hat er sich aber verheddert und offenbar nicht ausreichend Hilfe bekommen.

Erklärungen hat er offenbar nicht selbst verfasst

Selbst in seiner Erklärung, zwei Monate danach, fehlen immer noch Einsicht bezüglich des Fehlers und Distanzierung von der konkreten Politik Erdogans.

Die Erklärungen hat er offenbar nicht selbst verfasst, aber abgesegnet. Aus eigenem Antrieb hätte er diesen Vorstoß kaum gewagt. Sein Denken, seine Enttäuschung und seinen Frust dürften sie gut widerspiegeln.

Özil-Rücktritt spaltet Deutschland

WDR 3 Kultur am Mittag 23.07.2018 06:13 Min. WDR 3

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Stand: 23.07.2018, 16:11

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