"Das Handwerk stirbt" - Gocher Malermeister schlägt Alarm

Neubau Rohbau von einem Doppelhaus

"Das Handwerk stirbt" - Gocher Malermeister schlägt Alarm

Preissteigerungen und Lieferengpässe machen Handwerkern massiv zu schaffen. Ein Gocher Malermeister lässt seinem Ärger bei Facebook freien Lauf und trifft einen Nerv.

"Wenn man jetzt nicht agiert, [...] sind wir bald weg.", sagt Malermeister Jens Hardt in einem emotionalen Video, das er Ende April auf der Facebook-Seite seines Malerbetriebs gepostet hat. Sein Hilferuf an die Politik wurde bei Facebook innerhalb einer Woche mehr als 6200 Mal geteilt und tausendfach kommentiert.

Materialien deutlich teurer

Täglich erreichten ihn inzwischen Mails von Lieferanten, erklärt Jens Hardt. Von "Preisanpassungen wegen der Rohstoffverknappung" sei da die Rede. Einige Materialien würden für ihn im Einkauf jetzt mehr als zehn Prozent teurer.

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In einer anderen Mail heißt es:  "Aufgrund der Pandemie sind globale Lieferketten gestört." Für Jens Hardt und seine 15 Mitarbeiter heißt das: "Wir kriegen kaum noch Material."

"Das Handwerk stirbt"

"Es wird hier langsam echt eng, ich mach mir langsam auch ernsthafte Gedanken, wie ich die Verträge demnächst erfüllen soll". Und das sei erst der Anfang, die Welle komme erst in einigen Monaten. Die Politik müsse jetzt reagieren. "Das Handwerk stirbt", sagt Jens Hardt.

Jens Hardt ist mit seinen Sorgen nicht allein. Auch Bauunternehmer Wolfgang Büren klagt: "Ich mache es auch schon einige Jahrzehnte und ich muss sagen, so etwas habe ich noch nie erlebt. Die Preissteigerungen sind absolut extrem".

Im Holzbereich werde teilweise der dreifache Preis verlangt. Fenster, Kunststoff, Dämmmaterialien – alles werde teurer. Die Kreishandwerkerschaft Duisburg bestätigt, dass vermehrt Anrufe - etwa von Dachdeckern - kommen, die Aufträge nicht annehmen können, weil ihnen das Material fehlt.

Kreishandwerkerschaft: USA kaufen viel EU-Holz

Einer der Gründe: Vor allem die USA kaufen momentan extrem viel Holz aus der EU, weil es aus Kanada einen Exportstopp gebe. Dazu kämen Werkschließungen und erschwerte Logistik durch die Corona-Pandemie. Das könne „sogar existenzbedrohend sein“, sagt Sprecher Stefan Meurer von der Kreishandwerkschaft.

Düsseldorf: Handwerker unterstützen sich in der Krise

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 19.03.2021 03:43 Min. Verfügbar bis 19.03.2022 WDR 5 Von Peter Hild


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Nicht nur Handwerker müssten Materialien teurer einkaufen, auch für private Kunden im Baumarkt würden bestimmte Materialien teurer. Stefan Meurer hofft, dass sich die Situation bald wieder ändert, „allerdings zeichnet sich das aktuell nicht ab.“

Stand: 06.05.2021, 12:23