Nach OP: Neues Leben für Roqaya aus Afghanistan

Nach OP: Neues Leben für Roqaya aus Afghanistan

Von Sonja Gerhardt

  • Roqaya ist zurück in Afghanistan
  • Mädchen ist wieder ganz gesund
  • Für Pflegefamilie war der Abschied schwer

Laufen und springen - das war für die kleine Roqaya vor einigen Monaten noch undenkbar: Das afghanische Mädchen litt von Geburt an unter einer schweren Hüftfehlstellung, konnte kaum laufen. Jetzt ist sie wieder ganz gesund - dank vieler Spenden.

Zwei Hilfsorganisationen hatten die Sechsjährige nach Dortmund gebracht, bezahlten Reise und Operation. Die fand im September 2018 statt. Jetzt, sieben Monate später, kann Roqaya wieder herumtollen und ist zurück bei ihrem Vater und den Geschwistern in Afghanistan.

Nägel konnten früher als erwartet entfernt werden

Ein dreiviertel Jahr nach der Operation konnten die Nägel und Schrauben im Dortmunder Klinikum früher als erwartet entfernt werden. Oberärztin Dr. Katrin Rosery und ein auf Hüftfehlstellungen spezialisierter Kollege hatten Roqaya im September 2018 operiert. "Ihr linkes Bein war vier Zentimeter kürzer", erklärt Dr. Rosery. "Roqaya hat stark gehumpelt und hätte ohne die OP nie richtig laufen können".

Roqaya mit Oberärztin Dr. Katrin Rosery und Markus Dewender vom Verein@ Kinder brauchen uns“ e.V

Roqaya mit ihrer Ärztin

Die Sechsjährige stammt aus einer bitterarmen, umkämpften Region im Westen Afghanistans. Ihre Familie ist in die Hauptstadt Kabul geflohen. Ihre Mutter ist tot. In der Heimat leben Roqaya und ihre vier Geschwister mit ihrem Vater in einem kleinen Zimmer. Der 65-jährige Hilfsarbeiter verdient gerade mal genug Geld zum Überleben. Eine Operation für Roqaya hätte er nie bezahlen können.

Hilfsorganisationen haben Roqaya nach Deutschland gebracht

Die Organisation "Kinder brauchen uns" aus Mülheim an der Ruhr hat schon über 600 kranke afghanische Kinder nach Deutschland gebracht. In ihrer Heimat hätten sie keine Chance gehabt, gesund zu werden. "Die medizinische Versorgung in Afghanistan ist katastrophal", erklärt Markus Dewender von "Kinder brauchen uns".

Der Verein arbeitet mit dem Krankenhaus in der Hauptstadt Kabul zusammen und findet so Kontakt zu kleinen Patienten, die vor Ort nicht operiert werden können. "Denn für eine Operation müssten die ohnehin meist bitterarmen Familien ihr gesamtes Hab und Gut verkaufen", so Dewender.

20.000 Euro Kosten mussten gestemmt werden

Bezahlen konnte Markus Dewender die Gesamtkosten für Roqayas Aufenthalt in Dortmund nur mit finanzieller Unterstützung des Dortmunder Vereins Löwenherz. Insgesamt 20.000 Euro für Flug, OP und Unterbringung wurden fällig. Auch das Dortmunder Klinikum beteiligt sich.

In Dortmund lebte das Mädchen bei einer Pflegefamilie. Der Abschied fiel schwer. Aber Pflegemutter Rafiye Yildiz ist überzeugt, dass Roqaya ihr Leben meistern wird. Erste Fotos, die aus Afghanistan in Dortmund angekommen sind, lassen hoffen, dass sie Recht hat.

Stand: 25.03.2019, 16:49

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