In Lünen warten hunderte Kinder auf Schwimmkurse

In Lünen warten hunderte Kinder auf Schwimmkurse

Von Gregor Schnittker

  • Nur ein Schwimmbad für alle
  • Lange Wartelisten für Schwimmanfänger
  • Sportvereine beklagen halbierte Trainingszeiten
  • Der Bürgermeister ist hilflos

Lotta ist traurig. Die Fünfjährige aus Lünen-Horstmar möchte schwimmen lernen, landet aber lediglich auf einer Warteliste. Ende vergangenen Jahres hatte ihre Mutter sie für einen Kurs angemeldet. Wenn es gut läuft, erhält Lotta frühestens Ende des Jahres einen Platz.

Die Nachfrage übersteigt in Lünen bei weitem das Angebot. Es geht hunderten von anderen Kindern ähnlich. Denn seit 2011 gibt es mit dem Lippe Bad nur noch ein Schwimmbad.

Plan der SPD ging nicht auf

Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns (GfL) ist das Thema unangenehm. Als er noch in der SPD war, war es seine Fraktion, die mit der CDU zusammen die Schließung von vier Bädern in den Stadtteilen beschloss. Das zentrale Lippe Bad sollte den Bedarf abdecken.

Die Realität zeigt, dass das so nicht funktioniert. Die Sportvereine, wie etwa die Wasserballer in Brambauer, haben kaum noch Trainingszeiten.

Politische Mehrheit fehlt für Veränderungen

Schwimmen lernen ist für Schüler, wie auch Vorschüler kaum noch zu gewährleisten. Lange Anfahrtswege machen es den Frühschwimmern und ihren Trainern zusätzlich schwer.

Deshalb möchte die Wählergemeinschaft "Gemeinsam für Lünen" eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, inwiefern sich das Problem lösen ließe. Eine Mehrheit dafür findet der Bürgermeister im Rat aber nicht. Es ist also ein hausgemachtes Problem in Lünen, das Kinder wie Lotta auf dem Trockenen sitzen.

Interview mit Lünens Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns in Textform

Der Bügermeister der Stadt Lünen, Jürgen Kleine-Frauns

Der Bügermeister der Stadt Lünen, Jürgen Kleine-Frauns

Im Interview mit dem WDR macht der Lüner Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns (GfL) wenig Hoffnung, dass sich die Schwimmbad-Situation bald verbessert. Auch wenn seine Partei es versucht. Als er noch in der SPD war, war es seine Fraktion, die zusammen mit der CDU die Schließung von vier Bädern beschloss.

WDR: Warum darf die kleine Lotta noch nicht schwimmen lernen?

Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns: Die kleine Lotta darf schwimmen lernen. Wir haben in Lünen ein noch relativ neues Bad aus dem Jahr 2011.

WDR: Der Punkt ist aber der, dass Lotta auf einer Warteliste steht. Das Mädchen möchte schwimmen lernen, kann es aber nicht. Die Mutter sagt, dass es zu wenig Schwimmbäder in Lünen gibt. Hat sie recht?

Kleine-Frauns: Ob es zu wenig sind, lassen wir jetzt erst einmal offen. Fakt ist jedenfalls, dass wir in Lünen nur noch ein zentrales Bad haben, seit 2011. Früher waren wir in der glücklichen Lage, dass wir auch in den Stadtteilen - und insbesondere auch in Brambauer - kleine Schwimmbäder hatten. Diese Bäder mussten wir aber aus wirtschaftlichen Gründen schließen. Zum einen, weil die Bäder in die Jahre gekommen waren, zum anderen aber auch aus Haushaltsgründen, weil es hier erhebliche Zuschussbedarfe bei den Bädern gab.

WDR: Inwiefern haben Sie denn ein schlechtes Gewissen gegenüber einem so kleinen Kind, das gerne schwimmen lernen möchte und nicht kann?

Kleine-Frauns: Mir persönlich tut es sehr leid, dass ein Kind keinen Zugang zu einem Schwimmkursus findet. Das heißt aber nicht automatisch, dass das Kind nicht schwimmen lernen kann. Wir haben hier sehr engagierte Schulen, die sich Mühe geben, den Kindern die Schwimm-Kompetenzen zu vermitteln. Hier in Lünen machen alle Schulen von der Möglichkeit Gebrauch, Schwimmunterricht zu erteilen. Und ich hoffe für die noch kleine Lotta, dass sie spätestens in der Schule die Möglichkeit hat, strukturiert schwimmen zu lernen. Ich will aber damit keineswegs sagen, dass ich die Situation als befriedigend empfinde. Das, was wir hier mit einem Bad anbieten, kann nicht die Erwartungen aller erfüllen. Es deckt eben nur das ab, was wir uns momentan leisten können.

WDR: Hat sich Lünen zu sehr verschlankt in Sachen Schwimmbäder?

Kleine-Frauns: Persönlich finde ich es sehr bedauerlich, dass wir nicht mehr Kapazitäten anbieten können. Ja, wir haben uns verschlankt, wir hatten früher mehr Möglichkeiten und wir bräuchten diese Möglichkeiten auch weiterhin, allerdings gibt es dafür hier in Lünen momentan keine politische Mehrheit.

WDR: Es macht den Eindruck, als hätten sie kleinen Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen. Stimmt das?

Kleine-Frauns: Ganz persönlich, also nicht in meiner Funktion als Bürgermeister, finde ich es sehr bedauerlich, dass es sich eine Kommune nicht leisten kann, für kleine Kinder ein breites Angebot bei einem so wichtigen Thema, wie dem Schwimmen, zur Verfügung zu stellen.

WDR: Und als Bürgermeister?

Kleine-Frauns: Als Bürgermeister muss ich darauf verweisen, dass es im Moment keine politische Mehrheit dafür gibt, uns auf die Suche danach zu begeben, was noch möglich wäre. Wir haben unser Bad seit 2011. Das ist ein sehr modernes Bad. Die Ausstattung ist sehr gut. Mit der Ausstattung sind auch die Vereine sehr zufrieden, aber was ihnen und auch den Schulen fehlt, sind weitere Kapazitäten. Und diese Kapazitäten fehlen natürlich auch der Öffentlichkeit.

WDR: Was tun Sie dafür, dass sich diese Lage ändert?

Kleine-Frauns: Ich persönlich unterstütze das Anliegen, dass man dem Bedarf nachgeht und nach Lösungen sucht. Meiner Überzeugung nach sollten wir uns auf den Weg machen, neue Konzepte zu entwickeln, um dann darüber möglichst das Angebot auszuweiten.

WDR: Wann haben Sie denn wieder ausreichend Kapazitäten?

Kleine-Frauns: Im Moment sehe ich diese Kapazitäten nicht. Das muss man auch Lotta und ihren Eltern sagen. Ganz konkret hat die Mehrheit des Rates beschlossen, dass ein Bäderkonzept, das Lösungen aufzeigen könnte, seitens der Verwaltung nicht beauftragt wird.

WDR: Dann hauen Sie auf den Tisch und sagen, dass es so nicht weitergeht?

Kleine-Frauns: Als Bürgermeister kann ich das nur sehr moderat. Aber das tue ich.

Stand: 19.03.2019, 08:16

Kommentare zum Thema

1 Kommentar

  • 1 Arnd Krug 20.03.2019, 07:46 Uhr

    Schwimmen lernen kann man auch woanders. Wenn Eltern meinen, ihre Kinder können nicht Schwimmen lernen, nur weil sie nicht in einen Schwimmkurs gehen können, verkennen sie vollkommen, dass da eigentlich die Familie selbst für zuständig ist. Es werden wieder einmal andere verantwortlich gemacht. Wartelisten wofür? Unsere Kinder haben bei mir Schwimmen gelernt. Das unterstützt sogar die Eltern-Kind-Beziehung. Das geht in allen Schwimmeinrichtungen Deutschlands, in Baggerseen und in gemeinsamen Urlauben. Aber da muss Förderung durch die Eltern gewollt sein.