Loveparade-Unglück: schwere Vorwürfe gegen Anwältin

Loveparade-Unglück: schwere Vorwürfe gegen Anwältin 04:11 Min. Verfügbar bis 02.04.2020

Loveparade-Unglück: schwere Vorwürfe gegen Anwältin

  • Loveparade-Opfer erheben schwere Vorwürfe gegen Anwältin
  • Sie soll unter anderem Versicherungsgelder veruntreut haben
  • Anwältin selbst weist alle Vorwürfe zurück

Es sind schwere Vorwürfe, die mehrere Opfer der Loveparade-Katastrophe gegen eine Anwältin erheben. Sie sagen, die Frau habe ihnen nicht nur falsche Hoffnungen auf hohe Schadensersatzzahlungen gemacht, sondern auch Versicherungsgelder veruntreut und unrechtmäßig viel zu hohe Gebühren erhoben. Die Anwältin selbst weist alle Vorwürfe zurück.

Tausende Euro Schulden

Can Firat war bei der Loveparade in Duisburg als Ordner eingesetzt, wurde Augenzeuge der Katastrophe und belebte eines der Opfer wieder. Danach litt er massiv unter den psychischen Folgen, musste seinen Beruf aufgeben. In seiner Verzweiflung wandte er sich an die Anwältin. "Was sie für mich erreichen wollte? In erster Linie, dass ich eine Entschädigung bekomme", sagt Firat.

Dass das funktioniert, davon sei die Anwältin überzeugt gewesen. Das dabei eben auch Kosten für ihn entstehen, darüber sei er aber am Anfang nicht richtig aufgeklärt worden. Am Ende blieb er nach eigenen Angaben auf rund 7.000 Euro Schulden sitzen.

Anwältin weist Vorwürfe zurück

Auf WDR-Anfrage teilt die Anwältin mit: "Die Vorwürfe, nicht sachgerecht aufgeklärt zu haben, werden schärfstens zurückgewiesen und sind absurd. Die Betroffenen sind zu jeder Zeit über das Kostenrisiko aufgeklärt worden." Ferner berichtet sie von einem Formular, das die Mandanten unterschrieben hätten. In dem wird darauf hingewiesen, dass man sich über die Höhe der zu erwartenden Anwalts- und Gerichtskosten möglichst genau informieren soll.

Anwälte wollen Strafanzeige stellen

Doch die Vorwürfe gehen noch weiter. Rechtsanwalt Peter Jürgensen hat mehrere ehemalige Mandanten der Anwältin übernommen. Er und ein weiterer Kollege, der ebenfalls Mandanten übernommen hat, wollen demnächst Strafanzeige stellen. Aus den Akten scheine sich der Verdacht zu ergeben, dass die Anwältin Gelder, die die Axa in Form von Schadenersatz oder Schmerzensgeld gezahlt hat, an die Mandanten nicht weitergeleitet habe und dass sie auch zu hohe Gebühren abgerechnet habe. Beides wäre nach Ansicht von Peter Jürgensen theoretisch eine Straftat.

Ermittlungen in anderen Fällen

Die Staatsanwaltschaft Bochum teilte dem WDR auf Anfrage mit, dass aktuell bereits zwei Ermittlungsverfahren in anderen Fällen mit dem Vorwurf der Untreue beziehungsweise des Betruges gegen die Anwältin anhängig sind. Die Anwältin weist auch diese Vorwürfe zurück - ihre Zulassung habe sie ferner aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Can Firat stottert seine Schulden jetzt in Raten ab. Er geht wieder arbeiten, leidet aber noch heute unter den psychischen Folgen der Loveparade-Katastrophe.

Stand: 02.04.2019, 17:23

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