Loveparade-Prozess: Gericht will Verfahren einstellen

Loveparade-Prozess: Gericht will Verfahren einstellen

Von Zübeyde Sürgit

  • Gericht regt Verfahrenseinstellung an
  • Angehörige und Nebenkläger aufgebracht
  • Verfahren soll bis zum Prozessende aufklären

Das Landgericht Duisburg hat am Donnerstag (17.01.2019) erklärt, warum eine Einstellung des Loveparade-Prozesses richtig sei. Die Möglichkeit war bereits nach dem Rechtsgespräch am Mittwoch (16.01.2019), das unter Ausschluss der Öffentlickeit abgehalten wurde, bekannt geworden.

Der Richter Mario Plein, hinter ihm eine Uhr an der Wand

Der Vorsitzende Richter Mario Plein

Das Gericht hat am Donnerstag über eine Stunde lang verlesen, warum es eine Einstellung für sinnvoll hält. Nach der Gesamtbetrachtung der bisher angeführten Beweise, Zeugenvernehmungen und des Gutachtens des Sachverständigen Gehrlach hätten viele Institutionen und Personen Schuld an dem Unglück. Das Verfahren sei außerdem so komplex, dass es nahezu unmöglich sei, vor der Verjährungsfrist (im Juli 2020) ein Urteil zu sprechen, so die offizielle Begründung. Die individuelle Schuld der Angeklagten stufe man gering oder mittelschwer ein.

Der Loveparade-Prozess vor der Einstellung: Politikversagen in NRW?!

WDR RheinBlick 17.01.2019 21:49 Min. Verfügbar bis 17.01.2020 WDR Online

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Erklärungen für Prozess-Aus bis 5. Februar möglich

Anwälte der Nebenklage sehen das anders. Bis zum 5. Februar haben Staatsanwaltschaft und Angeklagte nun Zeit, zu erklären, unter welchen Bedingungen sie einer Verfahrenseinstellung zustimmen würden.

Prozess-Aus zeichnete sich bereits ab

Denkbar war eine vorzeitige Einstellung des Verfahrens schon länger. Vor Gericht stehen vier Mitarbeiter der Veranstalterfirma Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg, darunter der ehemalige Baudezernent. Sie müssen sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Bei der Loveparade in Duisburg am 24. Juli 2010 kamen 21 Menschen ums Leben, mehr als 600 wurden verletzt.

Aufklärungsversprechen soll eingehalten werden

Der Prozess ist aus Sicht der Angehörigen der Todesopfer von besonderer Bedeutung. Auch am Donnerstag reisten einige von ihnen aus dem Ausland an. Auf den Protest einer italienischen Nebenklägerin, deren Tochter bei dem Unglück ums Leben kam, entgegnete der Vorsitzende Richter: "Wir werden am Ende sagen, warum ihre Kinder gestorben sind." Es seien sehr viele Menschen aus unterschiedlichen Institutionen schuldig. Bisher habe man aber schon viel aufklären können. Das Verfahren werde den Aufklärungsanspruch weiterverfolgen. Dies könne bedeuten, dass der Prozess bis zum Einsetzen der Verjährungsfrist im Juli 2020 fortlaufen könne.

Stand: 17.01.2019, 17:20