Loveparade-Prozess endet wohl heute für sieben Angeklagte

Loveparade-Prozess endet wohl heute für sieben Angeklagte

Von Dominik Peters

  • Sieben Angeklagte stimmten Einstellung zu
  • Drei Beschuldigte gegen vorzeitiges Aus
  • Einstellungen wohl teilweise erwartet

Der Loveparade-Strafprozess endet wohl für sieben der zehn Angeklagten am Mittwoch (06.02.2019) ohne Urteil. Es fehlt lediglich noch der Gerichtsbeschluss.

Die Angeklagten einigten sich mit Gericht und Staatsanwaltschaft am 100. Verhandlungstag (05.02.2019), das Verfahren wegen geringer Schuld ohne Auflagen einstellen zu wollen.

Strafverteidiger: "Kleine Schwester des Freispruchs"

Der Verteidiger des ehemaligen Duisburger Baudezernenten erklärte am Dienstag (05.02.2019): "Die Unschuldsvermutung bleibt unangetastet. Das ist gut und richtig." Ein anderer Strafverteidiger stimmte der Einstellung zu, nannte sie aber die "kleine Schwester des eigentlich gebotenen Freispruchs."

Kommentar zur möglichen Einstellung des Loveparade-Prozesses für sieben Beteiligte

WDR 4 Ab in den Feierabend | 05.02.2019 | 01:40 Min.

Drei Angeklagte bestehen auf ihr Recht auf Freispruch

Drei der zehn Angeklagten, allesamt Mitarbeiter der Veranstalterfirma Lopavent, lehnten eine Einstellung des Verfahrens gegen sie ab. Bei ihnen sehen Gericht und Staatsanwaltschaft eine "mittlere Schuld" und haben Auflagen von jeweils rund 10.000 Euro vorgeschlagen.

Eine Verteidigerin erklärte, ihr Mandant verzichte "nicht auf sein Recht, freigesprochen zu werden." Für diese drei Angeklagten dürfte das Verfahren fortgesetzt werden.

Nachweis individueller Schuld sei nicht möglich bis zur Verjährung

Oberstaatsanwalt Uwe Mühlhoff sagte, eine individuelle juristische Schuld der einzelnen Angeklagten sei bis zur Verjährung im Juli 2020 "auch bei größter Anstrengung und weiterhin konstruktivem Einsatz aller Verfahrensbeteiligten nicht zu absolvieren."

Gleichzeitig honorierte er, dass die bestmögliche Aufklärung im Mittelpunkt stand, entscheidende Ursachen ermittelt wurden und die Verteidigung kooperativ gearbeitet habe.

Kritik aus Reihen der Nebenkläger

Obwohl auch mehrere Nebenklägeranwälte geringe Chancen für ein Urteil sehen, kritisierten sie die mögliche Einstellung des Prozesses. "Der Weg ist das Ziel. Und dieser Weg wird gerade abgebrochen", so ein Anwalt. Gerichte seien dafür da, komplexe Sachverhalte zu bewältigen." Ein Mitspracherecht bei der Einstellung haben die Nebenkläger nicht. 

NRW-Ministerpräsident: Schwer Einzelnen die Schuld zu geben

"Ich verstehe viele der Opferfamilien, die sagen, eigentlich hätten wir gerne einen Schuldigen gehabt, um persönlich damit fertig zu werden", sagte NRW-Ministerpräsident Laschet. Er habe beim Prozess beobachtet, fügte er hinzu, dass man keinem Einzelnen die Schuld geben könne.

Unglück nicht nur auf Angeklagte zurückzuführen

Das Unglück mit 21 Toten und hunderten Verletzten ist wohl nicht allein auf das Handeln der zehn Angeklagten zurückzuführen. Laut einem Expertengutachten sind auch Fehler der Polizei am Veranstaltungstag mitursächlich für die Katastrophe.

Loveparade-Prozess: Angehörige brauchen Urteil als Schlusspunkt

WDR 2 | 17.01.2019 | 02:57 Min.

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Stand: 05.02.2019, 16:27