Loveparade-Prozess: Ex-Baudezernent sagt aus

Bildmonatge, links Menschengedränge am Unglücksort, rechts Prozesssaal, Richter und Anzuhörende stehend

Loveparade-Prozess: Ex-Baudezernent sagt aus

  • Ehemaliger Baudezernent sagt als Zeuge aus
  • Bauamt soll in Planungen involviert gewesen sein
  • Gericht verliest Protokolle aus Planungsphase

Im Prozess um das Loveparade-Unglück in Duisburg haben am Mittwoch (18.09.2019) wichtige Verhandlungstage begonnen. Das Gericht hat sechs frühere Stadtmitarbeiter als Zeugen geladen, die bis Februar 2019 noch selbst angeklagt waren. Als erster Zeuge ist der frühere Baudezernent befragt worden.

Zeuge war bis Februar selbst angeklagt

Als Angeklagter hatte der frühere Baudezernent von seinem Schweige-Recht Gebrauch gemacht. Für seine Vernehmung als Zeuge sind drei Tage angesetzt.

Das dem Dezernat zugeordnete Amt für Baurecht und Bauberatung in Duisburg soll laut Anklage in die Planungen der Loveparade 2010 involviert gewesen sein. Zudem hatte es die nötige Baugenehmigung erteilt.

Zeuge betont: Fachliche Bauaufsicht hatte Bezirksregierung

Baudezernent Duisburgs vor Gericht

Der Baudezernent wartet im Gerichtssaal auf die Verhandlung.

Am Mittwoch verlas das Gericht unter anderem Protokolle der Loveparade-Planungen, die sich auf den früheren Baudezernenten beziehen. Der 72-Jährige Zeuge betonte, dass er keine fachliche Aufsicht über die Bauaufsicht gehabt habe. Diese liege bei der Bezirksregierung. Er sei für Personal und Sachkosten zuständig gewesen.

Der Zeuge widersprach damit indirekt dem Anklagevorwurf aus dem inzwischen eingestellten Verfahren, das Baugenehmigungsverfahren nicht ordnungsgemäß beaufsichtigt zu haben. Im Februar war das Verfahren gegen sieben Angeklagte wegen geringer Schuld ohne Auflagen eingestellt worden.

Loveparade-Prozess: Noch nicht abgeschlossen

WDR 5 Morgenecho - Interview 18.06.2019 05:08 Min. Verfügbar bis 17.06.2020 WDR 5

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Nebenklägerin Gabi Müller erwartet nichts

Nebenklägerin Gabi Müller aus Hamm, deren Sohn bei dem Techno-Festival im Juli 2010 ums Leben gekommen war, erwartet von der Aussage des einstigen Baudezernenten keine neuen Erkenntnisse. Er habe im Vorhinein Bedenken geäußert, sagt sie am Mittwoch dem WDR, im Nachhinein habe die Stadt aber die Loveparade in Duisburg genehmigt. Sie erhofft sich allerdings, Einblicke in die damaligen Planungen und Abläufe bei der Stadt zu bekommen.

Gedränge auf der Rampe zum Loveparade-Gelände

Gedränge auf der Rampe zum Loveparade-Gelände

21 Menschen wurden in dem Gedränge damals zu Tode gedrückt, mehr als 650 Menschen wurden verletzt. Die Hauptverhandlung hatte im Dezember 2017 begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei verbliebenen Angeklagten Planungsfehler vor. Außerdem sollen sie am Unglückstag gravierende Abweichungen von der Planung vorgenommen haben.

Stand: 18.09.2019, 15:28