Gutachten: Polizeikette mitschuldig am Loveparade-Unglück | 02:25 Min. | Verfügbar bis 11.09.2019

Gutachten: Polizeikette mitschuldig am Loveparade-Unglück

Benjamin Sartory

  • Loveparade-Unglück: Polizeikette möglicher Mitauslöser
  • Gutachter sieht zahlreiche weitere Ursachen
  • Katastrophe hätte laut Gutachten verhindert werden können

Der Polizeieinsatz war aus Sicht des Sachverständigen, Jürgen Gerlach, möglicherweise doch eine der Ursachen für das Loveparade-Unglück. Das geht aus seiner noch nicht öffentlichen Expertise hervor, die der WDR einsehen konnte. Die mehr als 3.000 Seiten sind vorläufig und wurden vor einigen Wochen den Prozessbeteiligten zugestellt.  

Gedränge mündete in Menschenhaufen

Konkret könnte demnach eine Polizeikette das Duisburger Loveparade-Unglück mit ausgelöst haben. Sie sollte die immer größer werdenden Menschenmengen auf der kombinierten Ein- und Ausgangsrampe zurückhalten. Doch der Druck auf beiden Seiten der Polizeikette wurde offenbar immer größer.

Als die Polizisten sich schließlich zurückzogen, stießen die Menschen aus zwei Richtungen aufeinander. Ganz in der Nähe kam es dann laut dem Gutachten zu einem dichten Gedränge. Viele sahen eine Treppe als Ausweg, an deren Fuße dann viele der 21 Toten gefunden wurden.

Loveparade-Unglück hatte viele Ursachen

Allerdings: Der Gutachter meint auch, dass die Polizei gar nicht unter Handlungszwang geraten wäre, wenn es nicht schon im Vorfeld Planungsfehler gegeben hätte. So sei speziell das Zugangssystem zum Gelände ungeeignet gewesen.

Technische Vorsperren aus Metall habe man falsch aufgestellt, zudem waren sie aus Sicht des Sachverständigen nicht für so viele Menschen ausgelegt. Gerlach nennt zudem zahlreiche weitere mögliche Ursachen, die das Unglück wohl im Zusammenspiel ausgelöst hätten.

Hätte Unglück verhindert werden können?

Loveparade-Katastrophe am 24.07.2010 | Bildquelle: dpa

Erstaunlich sind die Ausführungen des Gutachters dennoch. Denn er widerspricht damit einem britischen Sachverständigen, mit dem die Staatsanwaltschaft noch in ihrer Anklage argumentiert hatte. Der Engländer hatte die Ursachen für das Unglück ausschließlich in der Planung gesehen.

Das sieht Gutachter Gerlach anders. Denn es habe am Tag der Loveparade kurz vor der Katastrophe wahrscheinlich noch die Möglichkeit gegeben, sie zu verhindern.

Neuer Zeuge im Loveparade-Prozess | WDR 5 Morgenecho - Interview | 26.06.2018 | 04:28 Min. | Verfügbar bis 26.06.2019 | WDR 5

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Kein Polizist angeklagt

Angeklagt im Loveparade-Prozess sind insgesamt zehn Mitarbeiter der Stadt Duisburg sowie des Veranstalters und keine Polizisten. Hinterbliebene der 21 Todesopfer hatten das immer wieder kritisiert. Mittlerweile wären mögliche Vorwürfe gegen Polizeibeamte verjährt.

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