Neue Veranstaltungsempfehlungen wegen Duisburger Loveparade-Unglück

Menschen fliehen bei der Loveparade 2010 eine Böschung hinauf

Neue Veranstaltungsempfehlungen wegen Duisburger Loveparade-Unglück

Von Benjamin Sartory

Mehr als elf Jahre nach dem Duisburger Loveparade-Unglück gibt es bald neue Empfehlungen für Großveranstaltungen. Sie sind als Lehren aus der Katastrophe entstanden.

Wie viele Besucherinnen und Besucher passen durch wie große Eingänge? Wie lenkt man Menschenströme? Wie werde An- und Abreiserouten sicher geplant?

Solche Fragen beantwortet die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, FGSV, mit Sitz in Köln jetzt für Veranstalter. Die rund 240 Seiten sollen bald veröffentlicht werden. Sie können als Lehre aus der Loveparade-Katastrophe verstanden werden.

Loveparade ist Fallbeispiel

Das ist kein Zufall. Denn an dem Regelwerk war auch der zentrale Sachverständige des Loveparade-Prozesses beteiligt, Jürgen Gerlach von der Uni Wuppertal. Seine Erkenntnisse aus dem Strafverfahren, das erst Mitte 2020 ohne Urteile endete, sind direkt eingeflossen.

So sei es nach seiner Ansicht wichtig, eine Veranstaltung als Ganzes zu sehen, also von der Ankunft am Bahnhof bis zum Veranstaltungsort. Außerdem müsste die Aufgabenteilung zwischen Behörden und Veranstalter klar definiert sein. Beides funktionierte bei der Duisburger Loveparade nicht gut. Am Ende starben 21 Menschen im dichten Gedränge, Hunderte wurden verletzt.

In den Empfehlungen ist eine Beispielzeichnung aufgeführt, die unweigerlich an die Situation auf der Loveparade erinnert. Zu erkennen ist klar der Rundweg der Technotrucks sowie die beiden Tunnel, die auf die kombinierte Ein- und Ausgangsrampe zuliefen.

Land NRW überarbeitet Orientierungsrahmen

Der Leitfaden der FGSV ist im Grunde als Empfehlung für Veranstalter zu verstehen. Gleichwohl sollten Veranstalter von diesen anerkannten Regeln der Technik in nur sehr begründeten Fällen abweichen. Einen umfassenden Katalog dieser Art gab es zur Zeit der Duisburger Loveparade 2010 nicht.

Zusätzlich hat auch das Land NRW einen eigenen Orientierungsrahmen für Veranstaltungen im Freien noch einmal überarbeitet und in diesen Tagen an die kommunalen Spitzenverbände geschickt. Damit wurde ein Beschluss des Landtags von Mitte 2020 umgesetzt. Die Handreichung soll vor allem Kommunen helfen, die Veranstaltungen genehmigen müssen.

Auch hierbei sind Erkenntnisse aus dem Loveparade-Strafprozess eingeflossen, zum Beispiel die Dynamik von Fußgängerströmen. Wichtig beim Thema Sicherheit sei die Gesamtschau, heißt es in dem Orientierungsrahmen. Er kann demnach nicht nur bei klassischen Großveranstaltungen Anwendung finden, sondern zum Beispiel auch bei der Planung eines beucherstarken Adventswochenendes in einer Innenstadt.

Stand: 05.01.2022, 10:25