Duisburger Werkstatt-Skandal: Aufklärung dauert

Duisburger Werkstatt-Skandal: Aufklärung dauert 01:49 Min. Verfügbar bis 18.02.2020

Duisburger Werkstatt-Skandal: Aufklärung dauert

Von Stephanie Hajdamowicz

  • Stadt verlangt 760.000 Euro Schadensersatz 
  • Entzug der Gemeinnützigkeit möglich     
  • Neuer Geschäftsführer verspricht Lohnerhöhung                                 

Die Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung hat 2018 landesweit für Unmut gesorgt. Der Grund: Die ehemalige Geschäftsführerin verdiente kurz vor ihrer Entlassung 376.000 Euro im Jahr, und somit mehr als die Bundeskanzlerin.

Ihr wurde daraufhin fristlos im August 2018 gekündigt. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Untreue. Auch zivilrechtlich wird gegen die Verantwortlichen vorgegangen.

Finanzamt prüft Gemeinnützigkeit

Das Rathaus in Duisburg

Rathaus der Stadt Duisburg

Sollte das Finanzamt die Gemeinnützigkeit der Werkstatt aberkennen, müssten die Verantwortlichen vermutlich etwa zwei Millionen Euro zurückzahlen. Zudem verlangt die Stadt Duisburg als Gesellschafter der Werkstatt für Menschen mit Behinderung 760.000 Euro von der ehemaligen Geschäftsführerin und dem einstigen Aufsichtsratsvorsitzenden zurück.

Die Forderung begründet die Stadt damit, dass die Geschäftsführerin lediglich mit dem ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden ihr unverhältnismäßig hohes Gehalt verhandelt habe. Weder die Stadt - die zur Hälfte am gemeinnützigen Unternehmen beteiligt ist - noch der Aufsichtsrat wussten davon.

Damit die Stadt Duisburg in Zukunft nicht weiter für mögliche Minusgeschäfte zahlen muss, soll der sogenannte Gesellschaftervertrag geändert werden. Der neue Geschäftsführer Anton Koller möchte die Werkstatt anders aufstellen. Mehr Menschen mit Behinderung sollen zukünftig für den Arbeitsmarkt qualifiziert werden.

Mehr Geld für Menschen mit Behinderung in der Werkstatt 

Ab März sollen die Mitarbeiter mit Behinderung fünf Euro im Monat mehr für ihre Arbeit erhalten. Von der Lohnerhöhung sollen alle 1.106 Arbeitnehmer profitieren. Im Geschäftsjahr 2016 lag der Verdienst durchschnittlich bei rund 1.522 Euro im Jahr. Das sind etwa 80-225 Euro im Monat. 

Lebenshilfe NRW: Fehler wurden von Vertretern der Stadt verursacht

Kritisch beobachtet wird der Fall auch von der Lebenshilfe NRW. Deren Geschäftsführer Herbert Frings fordert, dass die Stadt Duisburg ihr Mitspracherecht bei der Werkstatt reduziert. "Schließlich hat sich inzwischen durch die Untersuchungen herausgestellt, dass diese Fehler von den städtischen Vertretern verursacht wurden und zu verantworten sind", sagt Herbert Frings. Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende hat Entscheidungen umgesetzt ohne diese vorher mit dem gesamten Aufsichtsrat abzustimmen. Darunter sind Vertreter der Behindertenvereine. Er plädiert für eine Mehrheit der Behindertenvereine in der Gesellschafterversammlung und verlangt mehr Mitspracherecht.

Stand: 18.02.2019, 15:38