Weltweites Interesse an Dortmunder Corona-Diagnostik

Röntgenbild einer mit Covid-19 infizierten Lunge

Weltweites Interesse an Dortmunder Corona-Diagnostik

Von Sonja Gerhardt

Ein Dortmunder Medizin-Projekt stößt auf weltweites Interesse: Künstliche Intelligenz hilft Ärzten dabei, gefährliche Lungenschäden zu entdecken, auch bei Corona-Patienten. Seit einigen Wochen ist der "Rad-Companion" im Einsatz.

Es ist die Lunge eines 81-jährigen Patienten, die Dr. Karsten Ridder auf dem Röntgenbild betrachtet. Zu sehen sind weiße Schlieren in beiden Lungenflügeln. Das sind Entzündungsprozesse, ausgelöst durch Coronaviren. Auf dem Monitor sind magentafarbene Kästchen zu sehen. Sie markieren die erkrankten Bereiche der Lunge. Daneben die Zahl 10.

Radiologischer Begleiter

"Hier sehen wir ein mittelschweres Stadium von Covid-19", erklärt der Dortmunder Radiologe. "Die Zahl 10 zeigt außerdem, wie sicher die Diagnose ist". In diesem Fall sehr sicher, die Skala reicht von eins bis zehn.

Die Software, die diese Diagnose erstellt hat, heißt "Rad Companion". Übersetzt "Radiologischer Begleiter". Es ist eine Künstliche Intelligenz (KI): eine Software, die lernt. Diese KI haben Ridder und seine Kollegen vom Medizinischen Versorgungszentrum Professor Uhlenbrock in Dortmund mit weit über 100.000 Röntgenbildern von Corona-Infizierten "gefüttert", also programmiert.

KI soll Ärzte bei Diagnosen unterstützen

"Die Kollegen auf den Intensivstationen sind teilweise mit 10, 15 Patienten gleichzeitig beschäftigt. Sie sind zwar sehr gut geschult, aber nachts um zwei Uhr steht nicht immer sofort ein Radiologe bereit, der die Röntgenbilder auswertet. Hier kann der Rad Companion eine wichtige Unterstützung bieten", erklärt Karsten Ridder.

Wenn ein Arzt ein Röntgenbild in das Programm lädt, erstellt die KI innerhalb von zwei Minuten eine Diagnose. "Das tolle an der Software ist, dass sie auch die Schwere der Erkrankung einstufen kann", erklärt Ridder. "Das ist zwar noch in der Testphase, kann aber eine immense Hilfe im klinischen Einsatz sein".

Technik wird Ärzte nicht ersetzen

Der Dortmunder ist programmverantwortlicher Radiologe bei diesem Projekt. Technisch entwickelt wurde die lernende Computer-Software von Siemens. Auch Ärzte in München und Boston sind beteiligt.

Der Eingang zum St.-Josefs-Hospital

St.-Josefs-Hospital in Dortmund-Hörde

In drei Dortmunder Kliniken der katholischen St. Lukas-Gesellschaft wird die KI bisher eingesetzt. Sie soll behandelnden Ärzten bei Diagnosen helfen und auch Befunde absichern. 2018 startete das Projekt, ursprünglich für Diagnosen verschiedener Lungenkrankheiten wie Tuberkulose oder Tumore. Covid-19 kam jetzt neu dazu.

"Der Rad Companion ist eine wichtige Unterstützung für unsere Arbeit", sagt Markus Sistermanns. Der Assistenzarzt aus Dortmund hat selbst schon mit der KI gearbeitet. "Dass mein Job dadurch überflüssig wird, darüber mache ich mir keine Sorgen. Schließlich kann eine KI keine Verantwortung übernehmen, dass müssen weiter wir Ärzte tun", so Sistermanns.

Stand: 25.01.2021, 10:48