Einblicke in das Essener Corona-Krisenzentrum

Etwa 20 Frauen und Männer sitzen an Konferenztisch

Einblicke in das Essener Corona-Krisenzentrum

Von Stephanie Grimme

  • Schnittstelle zwischen Menschen und Verwaltung
  • Adrenalinpegel im Dauerhoch
  • Zwischen Routine und immer neuen Aufgaben

Seit Anfang März ist in den Gebäuden der Hauptfeuerwache ständig Alarm. Hier ist der Corona-Krisenstab der Stadt Essen. Jeden Tag steht er vor neuen Herausforderungen. Erste Lagebesprechung morgens 6.30 Uhr.

Fachleute aus dem Gesundheitsamt, der Stadtspitze, und viele krisenerprobte Feuerwehrleute arbeiten zusammen und beraten. Es gibt ständig neue Themen:

Alle wollen Atemschutzmasken

Taxifahrer oder Bestattungsunternehmen fordern Schutzmasken, es soll ein Zahnarztzentrum für Corona-Patienten eingerichtet werden, die verfügbare Anzahl an Krankenhausbetten wird abgefragt und und und.

"Derzeit sind wir Herr der Lage," glaubt Essens Stadtsprecherin Silke Lenz. "Ziel ist es aber vor die Lage zu kommen."

Während der Krisenstab tagt, wird in den Büros daneben nonstop telefoniert. An manchen Tagen werden mehr als eintausend Telefonate mit Bürgern geführt. Bei den Mitarbeitern im Front-Office kommen die Erstanrufer an.

Wichtigste Frage: Wer muss getestet werden

Sie haben vor sich einen bebilderten Gesprächsleitfaden liegen. Er hilft festzustellen, ob es sich um infizierte Personen handeln könnte und ein Abstrich gemacht werden muss.

Mitarbeiter zeigt bebilderten Gesprächsleitfaden für Corona-Krisenzentrum

Bebilderter Gesprächsleitfaden für Corona-Krisenzentrum

Wenn ein Abstrich nötig ist, wird die Feuerwehr informiert. Anders als in anderen Städten gibt es in Essen kein Testzentrum. Hier fahren speziell geschulte Mitarbeiter der Feuerwehr zu den Leuten hin und machen den Abstrich vor Ort, in deren Wohnungen.

Die Proben werden dann in ein Labor des Universitätsklinikums Essen gebracht, die Ergebnisse per Fax ins Lagezentrum geschickt. Dann sind die Mitarbeiter des Back-Office gefragt.

Ausgeklügelte Umfeldanalyse

Im günstigsten Fall geben sie den getesteten Personen Entwarnung. "Bei den positiv Getesteten wird es schwieriger", sagt Marina Lorsch vom Gesundheitsamt. Sie und ihre Kollegen erstellen so genannte Umfeldanalysen. Sie telefonieren mit Infizierten, ihren Freunden und ihren Verwandten, um herauszufinden, welche Kontakte sie hatten.

Im privaten Umfeld ist das schon mühsam. Noch aufwendiger und wichtiger wird es aber, wenn es um infizierte Menschen in Krankenhäusern oder Senioreneinrichtungen geht. Da muss genau geguckt werden, wer weiterhin arbeiten kann und wer nicht.

Diese Abfragen gehören zur Routine. Dazu kommen immer wieder neue Probleme. Im Moment sind Besuche von Sterbenskranken im Krankenhaus und Beerdigungen ein großes Thema.

Seit dem ersten März arbeiten viele der Mitarbeiter hier im Lagezentrum täglich. Also auch samstags und sonntags. Das ist anstrengend, aber der Adrenalinpegel ist hoch und trägt über Erschöpfung oder traurige Momente hinweg.

ARD extra: Die Corona-Lage ARD extra 31.03.2020 22:45 Min. DGS Verfügbar bis 31.03.2021 Das Erste

Stand: 01.04.2020, 13:28

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