Kommunalwahl: Kampf um AfD-Hochburg im Westen

Die AfD macht Wahlkampf in Gelsenkirchen

Kommunalwahl: Kampf um AfD-Hochburg im Westen

Von Paul Patrick Nelles

Am Sonntag will die AfD in Gelsenkirchen an ihren großen Triumph anknüpfen: Bei der Bundestagswahl 2017 hatte sie dort das beste Ergebnis der Partei in Westdeutschland geholt.

Vor drei Jahren kam die AfD in der Revierstadt auf 17 Prozent (NRW: 9,4 Prozent, Bund: 12,6 Prozent). Der frühere Bundeswehroffizier und Lehrer Jörg Schneider (56) zog in den Bundestag ein. Jetzt steht er in Gelsenkirchen-Buer am Wahlstand und verteilt Flyer und Karten mit seinem Foto. Er will Oberbürgermeister werden.

Das wichtigste Thema: die Migration. Damit konnte die AfD bislang Nichtwähler mobilisieren und – gerade im nördlichen Ruhrgebiet – viele Stammwähler der SPD gewinnen. "Das waren Arbeiter", sagt Jörg Schneider, "aber auch Arbeitslose. Sie haben gemerkt, dass sie die SPD mit ihrer Zuwanderungspolitik alleine gelassen hat."

Zuwanderung prägt Stadtteile

Jörg Schneider, AfD, Oberbürgermeister-Kandidat in Gelsenkirchen

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Jörg Schneider will in Gelsenkirchen Oberbürgermeister werden.

Die Zuwanderung vor allem von Menschen aus Bulgarien und Rumänien hat in Gelsenkirchen Stadtteile wie Schalke, Erle oder Rotthausen geprägt. Großfamilien leben oft in viel zu kleinen Wohnungen. Müll landet vor den Häusern. Am Straßenrand stehen Schrottautos. Viele Bürger – auch SPD-Mitglieder – meinen, die regierenden Sozialdemokraten hätten zu lange zugesehen.

"Die hätten den Menschen besser zuhören müssen", sagt eine Frau in Rotthausen. "Die ausländischen Mitbürger sind oft nicht bereit, sich unserer Art zu leben anzupassen", meint ein anderer Bürger. Ein junger Mann ergänzt: "Viele meinen, dass die SPD nicht hart genug durchgegriffen hat und dass die AfD da radikaler ist."

"Schere von Arm und Reich schließen"

Taner Ünalgan, Ratsmitglied, SPD-Gelsenkirchen

Der 27-jährige Taner Ünalgan von der SPD ist das jüngste Ratsmitglied in Gelsenkirchen.

Der SPD-Kandidat Taner Ünalgan will helfen, verlorene Wähler zurückzuholen. Mit 27 ist er das jüngste Ratsmitglied in Gelsenkirchen. Er zieht durch die Straßen und wirft Handzettel, Kulis und Blumensamen in die Briefkästen. Ünalgan glaubt, dass sich die Menschen mit klassischer sozialdemokratischer Politik überzeugen lassen. "Wir müssen die Ungleichheit beseitigen und die Schere von Arm und Reich schließen", sagt er. "Wir müssen zeigen, dass wir – anders als die AfD – die konkreten Probleme der Bürger vor Ort lösen."

Bundespolitik im Kommunalwahlkampf

Auch Jörg Schneider und seine AfD haben kommunalpolitische Themen. Sie fordern bessere Schulgebäude und sind gegen die Erweiterung der Mülldeponie. Doch auf den für die Partei so wichtigen Facebook-Seiten geht es mehr um die Kritik an Klimaschützern und den Corona-Maßnahmen und - vor allem - um die Zuwanderung. Bundespolitik im Kommunalwahlkampf. Für Jörg Schneider ist das kein Problem: "Wir greifen diese Themen verstärkt auf, weil sie unsere Wähler ganz besonders interessieren."

AfD will Hochburg halten

Das Interesse an der AfD hat inzwischen – landesweit – abgenommen. Das zeigen Umfragen. Jörg Schneider und seine Parteifreunde sind trotzdem zuversichtlich, dass sie Gelsenkirchen halten können. Als AfD-Hochburg im Westen.

Stand: 10.09.2020, 12:35

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