Hagen: Kollegen klagen gegen eigenen Betriebsrat

Poco-Einrichtungshaus

Hagen: Kollegen klagen gegen eigenen Betriebsrat

  • 36 Mitarbeiter einer Poco-Filiale ziehen vor Gericht
  • Sie wollen den Betriebsrat auflösen
  • Streit um potenzielle Überwachungs-Software

Helle Aufregung im Poco-Einrichtungsmarkt in Hagen-Vorhalle. Dort geht ein Teil der Belegschaft gegen den eigenen Betriebsrat vor und fordert dessen Auflösung.

Betriebsrat soll Pflichten verletzt haben

Der Vorwurf, der Betriebsrat vertrete nicht ihre Interessen. Er habe seine gesetzlichen Pflichten grob verletzt und weigere sich mit dem Arbeitgeber zusammenzuarbeiten, was Arbeitsplätze gefährde.

Der Betriebsrat sieht dagegen einen Schachzug der Geschäftsführung, die von Anfang an gegen diese Arbeitnehmervertretung gewesen sei.

Güte-Termin ohne Ergebnis

Auch ein Gütetermin am vergangenen Freitag (14.02.2020) konnte den Streit nicht beilegen."Das Band zwischen den Streitparteien ist vollkommen zerissen", so der zuständige Richter Michael Seidel am Hagener Arbeitsgericht. Er hat deshalb eine schriftliche Stellungnahme des erst vor einem Jahr gewählten Betriebsrats zu den Vorwürfen angefragt. Entscheiden will er den Streit bei einem Verhandlungstermin im Herbst (15.09.2020).

Streit um Computer-Programme

Die Geschäftsführung wirft dem Betriebsrat eine Blockade-Haltung vor. Es geht um den Einsatz eines neuen Kassensystems, das auch Display-Kameras besitzt, sagt Betriebsratsmitglied Lütfiye Dündar. "Die Betriebsleitung hat uns nicht über diese Kameras informiert und weigert sich, uns zu sagen, was genau diese Kameras filmen." Sie fürchtet, dass die Kameras zur Überwachung der Mitarbeiter eingesetzt werden könnten. Der Betriebsrat fordert deshalb für alle Computerprogramme eine Betriebsvereinbarung.

Der Hagener Marktleiter Edgar Böddeker bestreitet hingegen, dass Kameras eingesetzt werden sollen. Das sei in der Hagener Filiale rein technisch gar nicht möglich, sagte er.

Gewerkschaft vermutet Schachzug der Geschäftsleitung

Die Gegner des Betriebsrats fürchten, dass durch diese Forderung das komplette Warenwirtschaftssystem des Einrichtungsmarkts lahmgelegt wird und sie nicht mehr richtig arbeiten können. Die Gewerkschaft Verdi dagegen vermutet dahinter ein Manöver der Geschäftsleitung, um den Betriebsrat wieder los zu werden.

"Der Geschäftsführung ist es gelungen, einen Keil in die Belegschaft zu treiben", sagt die zuständige Gewerkschaftssekretärin Monica Grothe von Verdi. Neben Hagen gebe es nur noch in der Iserlohner Filiale überhaupt einen Betriebsrat.

Stand: 19.02.2020, 07:06