Dortmund als Kokain-Hotspot?

Hände häufen weißes Pulver auf kleine Plastikfolien

Dortmund als Kokain-Hotspot?

Von Dirk Planert

  • Dortmund soll Umschlagplatz für Kokain sein
  • Droge hier günstiger als in den Niederlanden
  • Keine Bestätigung von Polizei und Staatsanwaltschaft

"Das Kokaingeschäft hat sich in Dortmund etabliert. Das ist wie Gummibärchen am Kiosk kaufen", sagte ein Insider der Szene. Der Dortmunder ist Mitte Fünfzig und konsumiert seit fast 30 Jahren selber Kokain. "Fast alles, was in Deutschland verteilt wird, kommt von Rotterdam über Dortmund", sagt er. In den Niederlanden koste ein Gramm auf der Straße um die 80 Euro, hier in Dortmund seien es 40 bis 50 Euro. Außerdem sei die Qualität sehr hoch. Das ziehe die Dealer aus anderen Städten zum Kokain-Einkauf nach Dortmund.

Testkauf mit versteckter Kamera am Borsigplatz

Ist es wirklich so leicht, in Dortmund Kokain zu kaufen? Mit versteckter Kamera testet das unser Reporter. Er läuft nur wenige Minuten am Borsigplatz ein paar Nebenstraßen entlang, schon wird er  von einem jungen Mann aus einer Gruppe heraus angesprochen: "Was brauchst Du?". Mit den anderen spricht er Arabisch. Als der Reporter sagt, dass er 100 Gramm Kokain kaufen will, ist der Mann zunächst misstrauisch.

Weißes Pulver ist in Plastikfolien in Kugelform verpackt

Portionen wie diese werden von Kokain-Schmugglern geschluckt

Doch dann schlägt er per Handschlag in den Deal ein, überreicht seine Handynummer und verabredet für zwei Stunden später die Lieferung. Eine geringere Menge Kokain hätte der Reporter sofort bekommen können. Fazit: Kokain kaufen dauert nur ein paar Minuten. Zur Übergabe ist er dann natürlich nicht gegangen.    

Fünf Kilo Kokain sollen täglich in der Nordstadt verkauft werden

"Die Straßendealer hier arbeiten alle für zwei libanesische Familienclans", sagt ein libanesischer Ex-Dealer. 75 Prozent ihrer Kunden kämen von außerhalb nach Dortmund, um hier günstig einzukaufen und das Kokain dann in ihren Städten weiterzuverkaufen. In der gesamten Nordstadt würden täglich etwa fünf Kilo Kokain umgesetzt. Die Hintermänner verdienten das meiste Geld. In halblegalen Geschäften waschen sie das Geld dann oder schicken es direkt in den Libanon, sagt der Insider: „Die haben schon dicke Villen bei Beirut gebaut.“

Polizei: Anstieg der Straftaten mit Kokain

Der Polizei ist Dortmund als großer Umschlagplatz nicht bekannt. Sie bestätigt einen Anstieg der Straftaten mit Kokain. Im Vergleich zu den registrierten Straftaten mit Cannabis seien es aber vergleichsweise wenige. Etwa 150 Kokain-Dealer oder -Konsumenten wurden 2015 geschnappt. Ein Dealer wurde erst vor kurzem in Dortmund verurteilt, sagt Staatsanwalt Henner Kruse: "Zwei Mal 250 Gramm hatte er verkauft. Ein älterer Mann, nicht vorbestraft, und er hat drei Jahre und sechs Monate Haftstrafe bekommen". Dortmund als deutschlandweiter Umschlagplatz ist dem Staatsanwalt aber nicht bekannt.

Stand: 30.01.2017, 15:00