Kultur in Not: "Ein Schlag ins Gesicht"

Der Musiker Klaus Spangenberg spielt auf einer Gitarre.

Kultur in Not: "Ein Schlag ins Gesicht"

Von Sebastian Tischkov

Keine Auftritte, kein Geld, keine Unterstützung: Der Essener Musiker Klaus Spangenberg stößt mit seinem neuen Lied eine Diskussion über die Not der Kulturschaffenden an.

"Ich sage allen Leuten: 'Stellt euch mal vor, ihr könnt eine Woche lang keine Musik mehr hören, Spotify gibt es nicht, es gibt kein YouTube. Im Fernsehen kann man keinen Florian Silbereisen mehr sehen. Und dann nimmt man den Leuten mal alle Spielfilme weg, alle Serien, kein Theater, auch kein Tatort am Sonntag. Und dann sollten wir mal darüber diskutieren, ob Kunst und Kultur systemrelevant sind oder nicht."

Klaus Spangenberg findet eindringliche Worte für die aktuelle Situation in der Kulturbranche – nicht nur am Telefon, auch in seiner Musik. Im Sommer nimmt er mit seiner Band die erste Version von "Nicht systemrelevant" auf. Ein Lied über Holger, den Gitarristen einer Band, die keiner kennt – er zahlt pünktlich Miete, versorgt Frau und Kind, ist nicht prominent, nicht bekannt, und eben auch nicht systemrelevant. Ein Sinnbild für viele der 495.000 Beschäftigten in der Kulturbranche, die finanzielle Hilfe brauchen.

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Die Mittel für Musiker und Solo-Selbstständige seien übersichtlich, sagt der 55-Jährige. Auch ihm ging es so, Hartz IV von Mai bis Oktober. Ob die für den November angekündigten Nothilfen auch ihm helfen werden, weiß Spangenberg noch nicht: "Wenn ich das gegenrechne, was an Hilfen für mich reinkam, und dann geguckt hätte, wie viele Konzerte ich dieses Jahr gespielt hätte, dann entsprechen die Hilfen weniger als 20% von dem, was ich dieses Jahr an Umsatz gemacht hätte".

Prominente Unterstützung in der Not

Aus der Wut heraus habe er das Lied geschrieben. Es sei ungerecht, mit wie vielen Milliarden andere Branchen unterstützt worden sind, Kulturschaffende aber hängen gelassen werden. "Viele Kollegen sagen gerade, man müsste laut werden. Ich halte das für absolut richtig, aber weiß, dass meine Band und ich schon seit vier Monaten laut sind". Auch die prominente Unterstützung vom BAP-Sänger Wolfgang Niedecken, dem Tatort-Kommissar Axel Prahl und dem Musiker Stefan Stoppok soll helfen, ein Zeichen zu setzen.

Die Aufmerksamkeit dürfe aber nicht nur auf den Musikern liegen, so Spangenberg. Es gehe allen in der Kunst- und Kulturbranche schlecht, "vom selbstständigen Roadie, über Catering, Bühnenbauer, Veranstaltungsleute, Clubbesitzer. Um all diese Menschen geht es. Es geht mir darum, dass die Logistik dahinter erhalten bleibt, sodass wenn es irgendwann mal weiter geht – sei es in sechs Monaten oder drei Jahren, wir Kunst und Kultur weitergeben können".

Stand: 13.11.2020, 17:13

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