Fünf Fragen zur Kindheit in der Dortmunder Nordstadt

Fünf Fragen zur Kindheit in der Dortmunder Nordstadt

Chaymae Bouyakoub ist in der Nordstadt im Hannibal aufgewachsen. Mittlerweile studiert die 21-Jährige in Paderborn, kommt aber immer wieder in die Nordstadt zurück und engagiert sich hier auch ehrenamtlich.

WDR: Was ist das besondere an einer Kindheit in der Nordstadt?

Chaymae Bouyakoub: Die Nordstadt hat vieles zu bieten. Hier treffen ganz viele Kulturen aufeinander, man lernt viele Leute kennen - unabhängig davon, woher sie kommen. So trägt die Nordstadt auch zur sozialen Kompetenz und zum Erwachsenwerden bei.

WDR: Wie war Ihre Kindheit in der Nordstadt?

Bouyakoub: Meine Kindheit in der Nordstadt war wirklich gut. Meine Grundschule war direkt vor meiner Haustür. Viele Mitschüler wohnten wie ich auch im Hannibal. Wir hatten es nach der Schule nicht weit, haben uns getroffen und zusammen gespielt.

Hier im Hannibal haben wir auch einen Kinder- und Jugendtreff. Als Kind war ich oft dort. Das hat mich sehr geprägt und mir gefallen und das möchte ich jetzt an die Kinder weitergeben.

Chaymae Bouyakoub bei einem Treffen mit dem Bezirksbürgermeister der Nordstadt

Chaymae Bouyakoub bei einem Treffen mit dem Bezirksbürgermeister der Nordstadt

WDR: Sie engagieren sich jetzt in dem Jugendtreff. Was machen Sie dort mit den Kindern?

Bouyakoub: Wir kochen, wir machen Filmeabende, wir gehen raus. Wir haben eine kleine Fußballmannschaft. Dazu gehören aber auch andere Sachen wie Hausaufgabenhilfe, Hilfe bei Bewerbungen oder auch Beratung bei privaten Problemen.

WDR: Warum ist die Arbeit im Jugendtreff für Sie so wichtig?

Bouyakoub: Ich finde es einfach schön, wenn ich jemandem weiterhelfen kann. Ich finde es schön, wenn wir in der Gruppe sind und alle lachen miteinander. Und in der Nordstadt ist es auch so, dass es nicht so schwer ist, in Kriminalität oder andere negative Sachen mitreingezogen zu werden. Ein Treff und eine Bezugsperson sind wichtig, weil sie einem zeigen, was wichtig im Leben ist.

WDR: Es gibt also auch Probleme in der Nordstadt. Die Straßen sind vermüllt, es gibt Drogenkriminalität, viele Familien sind arm. Haben Sie das Gefühl, dass die Kinder darunter leiden?

Bouyakoub: Nein eigentlich nicht. Mich stört auch, dass teilweise so negativ über die Nordstadt berichtet wird. Aber es müsste sich schon etwas ändern. Zum Beispiel rund um den Nordmarkt. Wenn die Kinder zur Schule gehen, sind das erste was sie sehen, Leute, die drogenabhängig sind, die Alkohol zu sich nehmen. In meinen Augen geht das einfach nicht. Das müsste sich ändern.

Das Interview führte Till Krause.

Stand: 13.11.2019, 12:00

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