Kinder-Palliativstation in Datteln jetzt zertifiziert

Das Kinderpalliativzentrum in Datteln hat eine große Glasfassade und grenzt direkt an den Garten.

Kinder-Palliativstation in Datteln jetzt zertifiziert

Die Station "Lichtblicke" in Datteln hat sich als erste Kinder-Palliativstation zertifizieren lassen und damit ein Qualitätssiegel erhalten. Das soll auch ein Anstoß für weitere Palliativzentren sein.

„Natürlich gibt es traurige Momente. Aber auf dieser Station überwiegen die positiven Momente, in denen man Leid lindert und Familien auffängt“, erzählt Kinderkrankenschwester Nicole Pfautsch. Sie leitet seit 2016 die Station "Lichtblicke" in Datteln.

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin hat die Station "Lichtblicke" nun als erste ihrer Art in ganz Europa zertifiziert. Das Team hat monatelang daran gearbeitet, dieses wichtige Qualitätssiegel zuerkannt zu bekommen. Es belegt, dass hier Patienten auf hohem Niveau und nach bestimmten Vorgaben versorgt werden.

Familien werden oft jahrelang begleitet

Nicole Pfautsch, Leiterin der Station "Lichtblicke" steht in einem blauen Kittel im Garten vor dem Zentrum.

Nicole Pfautsch leitet die Station "Lichtblicke".

"Wir können hier Kinder beim Sterbeprozess begleiten. Wir können aber noch viel mehr", sagt Pfautsch. Oft begleite das Team die jungen Patienten und ihre Familien über mehrere Jahre hinweg. "Da entsteht automatisch eine größere Bindung."

Im Gegensatz zu normalen Palliativstationen, auf denen zum Beispiel Menschen mit Krebserkrankungen am Lebensende behandelt werden, kommen die jungen Patienten während ihres Lebens immer wieder auf die Station "Lichtblicke", sagt Chefarzt Boris Zernikow. Das sei häufig in Krisensituationen der Fall, wenn die Betreuung zu Hause nicht mehr möglich ist - zum Beispiel weil ein Patient große Schmerzen hat, nicht mehr schläft oder unruhig ist.

Halt geben und zusammen aushalten

"Wir können hier multiprofessionell auf die Ursachen schauen", sagt Nicole Pfautsch. Schon ab dem ersten Aufnahmegespräch sei das ganze Team eingebunden. „Der Austausch untereinander ist groß. Wir teilen unsere Erfahrung.“

Das ist hilfreich, weil die meisten Patienten nicht von sich aus sagen könnten, was ihnen fehlt. "Es ist eine große Herausforderung, wie ein Detektiv herauszubekommen, warum die Kinder etwa so unruhig sind", sagt Zernikow.

Breites Therapieangebot

Neben der Pflege ist es Pfautsch zudem wichtig, Zeit zu haben, um "schöne Momente zu schaffen" - etwa mit einem Ausflug in den Garten oder einer Entspannungseinheit mit Licht und Musik. Auch eine tiergestützte Therapie oder ein Projekt für die Geschwisterkinder gehört zu den Therapieangeboten. Der höhere Betreuungsschlüssel und die Angebote werden aus Spenden finanziert.

Erstes zertifiziertes Kinderpalliativzentrum

Mit der nun erhaltenen Zertifizierung sollen Abläufe noch einmal überdacht und verbessert werden. Zernikow und sein Team hoffen, dass das Qualitätssiegel auch ein Anstoß für weitere Palliativstationen sein könnte.

Mit dem geplanten Erweiterungsbau soll es in Zukunft noch einen OP-Saal direkt auf der Station geben. Mit ihm sollen den Patienten beschwerliche Wege erspart und die optimale Vor- und Nachsorge getroffen werden.

Stand: 02.03.2021, 14:49