Hattingen hat Kanalnetz an Ruhrverband übertragen

Luftbild von Hattingen, historische Altstadt

Hattingen hat Kanalnetz an Ruhrverband übertragen

Von Nicole Werner/Mareike Maack

  • Ruhrverband zahlt 110 Millionen Euro
  • Kämmerer will Großteil der Schulden tilgen
  • Einige Bürger machen sich Sorgen

Die Stadt Hattingen hat die Nutzungsrechte an ihrem Kanalnetz für 110 Millionen Euro an den Ruhrverband verkauft. Darüber hatte der Rat der Stadt am Donnerstagabend (11.04.2019) abgestimmt. Mit dem Geld will der Kämmerer einen Großteil der städtischen Schulden tilgen. Auf 130 Millionen Euro belaufen sich die Kassenkredite.

Ruhrverband betreibt auch die Kläranlagen

Der Ruhrverband hatte bereits im Vorfeld betont, dass das Kanalnetz im Besitz der Stadt bleibt. Man wolle aber den Betrieb der Kanalisation gerne übernehmen, weil dann alles aus einer Hand wäre. Der Ruhrverband betreibt auch die Kläranlagen. Bei einer Versammlung im März reagierten viele Bürger darauf mit gemischten Gefühlen.

Vielen Hattingern leuchtete das Vorhaben ein. Es gab aber auch kritische Stimmen. Einige machen sich Sorgen, dass die Stadt nicht mehr frei über die Kanalisation bestimmen kann und dass vor allem die Abwassergebühren steigen könnten. Der Bürgermeister beteuerte allerdings: Das werde nicht passieren.

Stadt Hattingen legt Kanalnetz in andere Hände

WDR 5 Morgenecho - Interview 28.02.2019 08:48 Min. WDR 5

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Kämmerer: Ein Win-Win-Geschäft

Im Februar 2019 waren die Pläne bereits im Rat vorgestellt worden. Es sei ein Win-Win-Geschäft, sagt Kämmerer Frank Mielke. Der Ruhrverband will sein Geschäftsfeld erweitern und die Stadt Hattingen muss sich nicht mehr um ihr Kanalnetz kümmern. Die Gebühren werden einfach an den Ruhrverband weitergeleitet. Und der Ruhrverband kann Fachpersonal und Maschinen wirtschaftlicher einsetzen.

Der Bund der Steuerzahler hatte davor gewarnt, städtisches Eigentum abzugeben. Bei der Höhe der Summe müsse man eigentlich auch eine europaweite Ausschreibung prüfen, hieß es damals.

Stand: 11.04.2019, 19:12

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