Kaiser-Statue in Wesel: Kompromiss nach langem Streit

Marmorkopf der zerstörten Statue von Kaiser Wilhelm I. in Wesel (1954)

Kaiser-Statue in Wesel: Kompromiss nach langem Streit

Seit Jahren wird in Wesel darüber diskutiert, was mit der zerstörten Statue von Kaiser Wilhelm I. passieren soll. Jetzt haben sich Stadt und die Weseler Gesellschaft für Denkmalpflege geeinigt.

Sie ist 2,45 Meter hoch, 1,18 Meter breit, wiegt etwa zwei Tonnen und ist schon seit dem Jahr 1888 immer wieder ein Streitthema in Wesel – die Statue von Kaiser Wilhelm I. Als der Kaiser am 09. März 1888 starb, wurde in Wesel ein Denkmalverein gegründet. Seine Aufgabe: Ein Denkmal zu seinen Ehren errichten. Aber schon damals konnte man sich nicht einigen, wie die Statue aussehen soll. Ganze 18 Jahre dauerte es, bis feststand, dass es ein Standbild aus weißem Marmor auf einem kubischen Sockel werden soll.

Denkmal nach dem Krieg zerstört

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Statue von Kaiser Wilhelm I. mit Steinen beworfen und beschädigt. Mehrere Teile brachen ab. Sie wurden eingesammelt und die Statue im Jahr 1924 restauriert. Dann kam der Zweite Weltkrieg, nach dessen Ende das Denkmal vom Sockel gestoßen wurde und in zwei Teile zerbrach. Seitdem war der marmorne Kaiser kopflos. Torso und Kopf gingen in den Bestand des Städtischen Museums Wesel über. Der Sockel auf dem das Denkmal stand, ist bis heute verschwunden.

123 Jahre später wieder Streit

Im Jahr 2011 hatte ein Museum den Wunsch die Kaiser-Statue als Dauerleihgabe auszustellen. Nur wie? Kopf und Torso getrennt oder zusammen? Soll die Statue insgesamt wiederhergestellt oder mit Beschädigung ausgestellt werden? Mit Sockel? Liegend oder im Stehen? Viele Fragen, die unbeantwortet blieben. Auch ein Ideenewettbewerb brachte kein Einigung. Seitdem gibt es Streit um den Verbleib der Statue.

Kaiser kommt in Vitrine

Jetzt gibt es einen Kompromiss. Die Stadt hat sich mit der Weseler Gesellschaft für Denkmalpflege auf einen Schenkungsvertrag geeinigt. Eine Glasvitrine soll zwischen dem Haupttorgebäude der Zitadelle und dem Preußen-Museum aufgestellt werden. Darin wird die Statue liegend zu sehen sein. Die Gesellschaft für Denkmalpflege soll außerdem die Kosten für Aufstellung und Lagerung übernehmen – etwa 50.000 Euro. Die Vitrine samt Kaiser-Inhalt bekommt die Stadt dann geschenkt. So soll das Kapitel Kaiser-Denkmal in Wesel gut 130 Jahre nach dem ersten Streit endlich geschlossen werden.

Stand: 14.11.2017, 17:51