Kulturelle Fortbildung für Justizmitarbeiter in NRW

Zentrum für interkulturelle Kompetenz

Kulturelle Fortbildung für Justizmitarbeiter in NRW

  • Justizmitarbeiter sollen andere Kulturen verstehen
  • Wie reagieren Gefängnismitarbeiter auf Muslime richtig?
  • Mitarbeiter sollen auch klare Grenzen setzen

Justizbeschäftigte in NRW sollen im Umgang mit Menschen anderer Kulturen besser geschult werden. Dazu wurde am Montag (16.04.2018) in Essen ein Fortbildungszentrum eröffnet. Unter anderem sollen Gefängnismitarbeiter oder Gerichtsvollzieher dort lernen, Muslime besser zu verstehen. Offiziell heißt die Einrichtung "Zentrum für Interkulturelle Kompetenz der Justiz NRW."

Schulungen für Justizbeamte

"Wir wollen da, wo es vermeidbar ist, natürlich auch nicht die religiösen Gefühle verletzen. Aber wir wollen da, wo es nötig ist, die deutschen Grundgesetze deutlich verteidigen", erklärte Peter Marchlewski, Sprecher des Justizzentrums. Immer wieder kommt es zu Missverständnissen, wenn zwei verschiedene Kulturen aufeinander prallen. Experten wie Islamwissenschaftler schulen unter anderem Gerichtsvollzieher oder Justizbeamte.

Muslimische Gefangene: Schulungen für Justizmitarbeiter

WDR 2 | 16.04.2018 | 03:11 Min.

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Dazu gehört auch zum Beispiel, wie sich Gefängnismitarbeiter verhalten sollen, wenn sie die Gefängnistür öffnen und der Häftling betet. Oder wenn der Gerichtsvollzieher aufgefordert wird, die Schuhe auszuziehen. Die Mitarbeiter werden geschult, in bestimmten Momenten gefühlvoll auf Betroffene einzuwirken, aber auch klar Grenzen zu setzen. Die Schulungen finden ebenfalls extern an den Landgerichten statt.

Darüber hinaus solle das Zentrum ein landesweites Lagebild zum Thema Paralleljustiz erstellen, hieß es bei der Eröffnung in Essen. Insgesamt sollen zwölf Experten für das Zentrum arbeiten. Dazu zählen unter anderem vier Islamwissenschaftler, die bereits an der Justizvollzugsanstalt Remscheid in der Präventionsarbeit tätig sind. Zielgruppe der Aus- und Fortbildungsangebote sind alle Justizangehörigen vom Staatsanwalt bis zum Justizvollzugsbeamten.

Minister lässt Sonderstaatsanwälte ran

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU)

NRW-Justizminister Peter Biesenbach

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) will gegen Parallelgesellschaften vorgehen, in denen eigene Regeln gelten - ohne Kontakt zu Polizei und Justiz. "Wir erleben, dass wenige Menschen aus diesen Lebenskreisen deutsche Gerichte in Anspruch nehmen", sagte er dem WDR. So würden Imame zum Beispiel Geldstrafen verhängen. Biesenbach stellt aber klar: "Wir sind in Deutschland, und wer bei uns lebt, hat sich unseren Regeln unterzuordnen."

Um juristisch gezielt gegen kriminelle Clans vorzugehen, sollen in Duisburg Sonderstaatsanwälte eingesetzt werden. In dem Pilotprojekt sollen Informationen verschiedener Behörden gesammelt und nach strafbaren Handlungen gesucht werden.

JVA-Mitarbeiter sollen mehr über andere Kulturen lernen

WDR 5 Westblick - Interview | 16.04.2018 | 06:16 Min.

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Stand: 16.04.2018, 16:53