Was tun, wenn Jugendliche zu Intensivtätern werden?

Eine Bank nehmen einem Fahrkartenautomaten. Hier hat die 16-Jährige den Obdachlosen angegriffen

Was tun, wenn Jugendliche zu Intensivtätern werden?

Von Carsten Koch

Der Fall einer 16-jährigen, die einen Obdachlosen am Essener Hauptbahnhof schwer misshandelt haben soll, hat viele Menschen schockiert, auch Vera Lemke von der Essener Jugendgerichtshilfe.

"Ich war entsetzt über die Brutalität des Angriffs", sagt Vera Lemke über ihre erste Reaktion, als sie die Nachricht bekam, dass eine 16-Jährige einem Obdachlosen am Essener Hauptbahnhof wohl immer wieder gegen den Kopf getreten hat.  

Vera Lemke kennt die 16-Jährige gut. Sie arbeitet bei der Jugendgerichtshilfe in Essen und kümmert sich um junge Intensivtäter und Intensivtäterinnen.

Im Haus des Jugendrechts arbeiten das Jugendkommissariat der Polizei, die Staatsanwaltschaft und eben die Jugendgerichtshilfe zusammen.

Mädchen ist Behörden bekannt

Viel darf Vera Lemke über den Fall der 16-Jährigen nicht erzählen. Nur soviel: Sie lebt seit einem Jahr in Essen in einer Wohngruppe, getrennt von ihrer Mutter, die in einer anderen Stadt wohnt. Sie ist bekannt bei den Behörden und wird bereits betreut.

Keine Perspektiven

Leerer Gerichtssaal

Das Jugendstrafrecht bietet verschiedene Möglichkeiten. Es beginnt mit erzieherischen Maßnahmen.

Zerrüttete Familienverhältnisse, keine Perspektiven, keine Hilfe, wenn sie am wichtigsten ist. Das seien häufig Gründe für solche "Intensivtäter-Karrieren". Am Ende steht dann nur allzu häufig das Gericht. Das Jugendstrafrecht bietet verschiedene Möglichkeiten. Es beginnt mit erzieherischen Maßnahmen, einer Entschuldigung beim Opfer zum Beispiel.

Dann gibt es die Möglichkeiten gemeinnütziger Arbeit oder auch mal ein Wochenende im Jugendarrest. Aber auch Jugendgefängnis - das könnte auch dem 16-jährigen Mädchen drohen.

Individuelle Hilfe

"Es ist wichtig, einen Zugang zu den Kids zu finden. Sie müssen bereit sein, uns in ihr Leben zu lassen. Nur dann kann es funktionieren, nur dann können wir Ihnen helfen", erzählt Vera Lemke.

Für jeden Einzelnen müsse ein persönlicher Weg in ein normales Leben gefunden werden. Die Ziele müssen dabei realistisch sein, denn das Wichtigste seien Erfolgserlebnisse. Nur so blieben die Jugendlichen motiviert, weiterzumachen. Das funktioniere nicht immer, aber zum Glück gibt es auch Erfolge.

 Erfolge

"Neulich hat mich ein junger Mann angerufen, den ich lange betreut habe, als er noch jugendlicher Intensivtäter war. Stolz hat er mir gesagt, dass er jetzt seine Gesellenprüfung abgelegt hat. Außerdem hat er inzwischen einen kleinen Sohn. Das hat auch mich ein bisschen stolz und glücklich gemacht", erzählt Verena Lemke und fügt mit einem Lächeln hinzu: "Was gibt es Schöneres, als mit seiner Arbeit Menschen helfen zu können".

Stand: 11.01.2021, 15:24

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