Mädchen regieren im Jugendparlament Oberhausen

Mädchen des Jugendparlaments Oberhausen diskutieren vorm Ratssaal

Mädchen regieren im Jugendparlament Oberhausen

Von Carmen Krafft

Zum ersten Mal haben junge Frauen im Jugendparlament Oberhausen die Mehrheit - anders als in den Kommunal-Parlamenten in NRW. Woran liegt das?

Hannah (17) und Maricel (14) diskutieren vor ihrer ersten Sitzung des neuen Jugendparlaments Oberhausen am Eingang zum Ratssaal. Die beiden Schülerinnen wollen sich über das Gremium für die Interessen von Teeangern in der Stadt einsetzen. "Das ist eine Riesen-Chance, hier in Oberhausen mitreden zu können", sagt Maricel. Hannah macht es gleich konkret und möchte vor ihrer Schule einen Zebrastreifen durchsetzen.

Jungen fehlte in Coronazeiten die "Bühne"

Dass zehn Jahre nach der Gründung des Parlaments zum ersten Mal junge Frauen deutlich in der Mehrheit sind, freut die beiden Betreuer Hendrik Detmer und Julia Bendorf. Von 24 Mitgliedern ist jetzt sogar mehr als die Hälfte weiblich. Die Mädchen konnten bei ihrer Online-Vorstellung in den Schulen mit einem detaillierten Programm punkten.

Erste Sitzung des Jugendparlaments Oberhausen im Ratssaal

Demokratie wird weiblicher: Erste Sitzung des Jugendparlaments Oberhausen

"Jungs haben in der Vergangenheit oft durch selbstbewusste Bühnenauftritte in der Schul-Aula Stimmen gesammelt", hat Hendrik Detmer beobachtet. Er begleitet das junge Gremium seit zehn Jahren. "Da wurden gerne mal völlig unrealistische Versprechen gemacht, wie die Schulpausen abzuschaffen, damit alle früh Feierabend haben. Das kam erstmal bei Jungs und Mädchen gut an."

Mädchen überlegen: Lässt sich das umsetzen?

Auch wenn man bei geschlechterspezifischem Verhalten vorsichtig sein müsse, sieht seine Kollegin Bendorf, dass "Mädchen als Kandidatinnen bedächtiger auftreten, eher überlegen, was konkret umgesetzt werden kann."

Hendrik Detmer, Betreuer des Jugendparlaments Oberhausen vor dem Raatssaal

Hendrik Detmer betreut das Jugendparlament Oberhausen

Die junge Abgeordnete Maricel bedauert, dass "Mädchen sich oft nicht trauen, selbstbewusst die eigene Meinung zu sagen. Dabei haben wir mindestens genauso gute Ideen und sind kreativ."

Zwei Jahre powern für Jugend-Interessen

Das Jugendparlament kann eigene Beschlüsse fassen. Bei Events wie dem örtlichen Jugendfilmfestival genauso wie bei Vorschlägen zum Umweltschutz. "Die Forderung, mehr Abfallbehälter an Bushaltestellen aufzuhängen, wurde im letzten Parlament von Mädchen vorgebracht."

Bindend ist das Votum des Gremiums allerdings nicht. In den nächsten zwei Jahren wollen Maricel und Hannah um so hartnäckiger an der Umsetzung ihrer Ideen arbeiten. "Wenn es am Ende einen Zebrastreifen vor unserer Schule gibt", so Hannah, "hätte sich die Zeit hier voll gelohnt."

Stand: 25.08.2020, 14:23