Schauspielhaus Bochum erhitzt die Gemüter mit Sex und Terror

Szenenfoto des Stücks "Plattform" am Schauspielhaus Bochum

Schauspielhaus Bochum erhitzt die Gemüter mit Sex und Terror

Von Ann-Kristin Pott

  • Regisseur Johan Simons drei Monate Intendant
  • Doppelpremiere: "Plattform" und "Unterwerfung"
  • Publikum gefällt die Offenheit der Stücke

Terror, politischer Islam, Sextourismus - keine leichte Kost für einen Besuch im Bochumer Schauspielhaus an einem Samstagabend (19.01.2019). Den Besuchern hat es gefallen, ausverkauft war die Premiere aber nicht.

Neustart am Theater Bochum

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur 26.10.2018 05:59 Min. WDR 5

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Auf der Bühne werden zwei Premieren gefeiert: "Plattform" und "Unterwerfung". Der neue Intendant Johan Simons inszeniert zwei Bestseller von Michel Houellebecq.

An dem Tag, als "Unterwerfung" vor vier Jahren in Frankreich erschien, griffen Terroristen die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" an und töteten zwölf Menschen. Jedem, der solche Inhalte auf die Bühne bringt, muss die Brisanz klar sein.

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Theater, das die Gemüter spaltet

"Ich habe mich gefragt, wie bringt man das auf die Bühne? Das hat Johan Simons gut gemacht - Hut ab", sagte eine Besucherin über die Umsetzung der Stücke. "Plattform" erhitzt die Gemüter: Die Sexualität der Figuren wird detailreich beschrieben.

Szenefoto: Ein Mann im Trainingsanzug auf einem Plastiktuhl neben einem langhaarigen Mann mit freiem Oberkörper und einen menschenähnlichen Puppe

Szenenfoto des Stücks "Plattform"

Hajo Salmen vom Freundeskreis des Schauspielhauses glaubt, dass das Publikum insgesamt offener wird: "Theater darf auch verstören und querschießen. Wenn sich das Theater immer in der gleichen Form zeigte, wäre das langweilig".

Plattform - Sextourismus und Terrorismus

"Plattform" zeigt die freizügige Liebesbeziehung von Michel und Valérie. Sie wollen mit Valéries Chef ein Clubangebot für Sextouristen entwickeln. Doch die Beziehung und der Erfolg werden durch einen islamistischen Terroranschlag beendet.

Ein Zuschauer, der seit 50 Jahren das Bochumer Schauspielhaus besucht, fühlte sich an Freizügigkeit und Fäkalsprache 60er-Jahre erinnert. "Ich dachte, wir hätten das ausgelebt, aber scheinbar muss es noch mal aufs Tablett kommen."

Unterwerfung - ein muslimisches Frankreich

Szene aus  "Unterwerfung" mit K. Moog, St. Hunstein und M. D. Otieno (v. li.)

Szene aus "Unterwerfung"

In "Unterwerfung" wird Frankreich nach den Präsidentschaftswahlen zum muslimisch geprägten Land. Die Polygamie wird eingeführt. Frauen dürfen nicht mehr lehren.

Der islamkritische Literaturwissenschaftler François kehrt nach Paris zurück, die Sorbonne kündigt ihm. "Unterwerfung" kommt beim Publikum besser an. Es wirkt eindeutiger, die Zuschauer fiebern mit - wird François zum Islam konvertieren?

Drei Monate Simons-Intendanz

Johan Simons hat in den ersten drei Monaten frischen Wind ins Bochumer Schauspielhaus gebracht. Die einen müssen sich an die Stückauswahl gewöhnen. Andere freuen sich über zukunftsorientiertes Theater.

Zum Beispiel Josefine: "Ich bin extrem begeistert von den Schauspielern. Es ist besseres Theater, als ich es an vielen anderen Orten sehe, aber ich würde mich noch über mehr Mut auf der Bühne freuen".

Stand: 20.01.2019, 14:30

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