Jacques Tillys entwirft "Steeliene" gegen Rechts in Essen

Jacques Tilly entwirft Figur gegen Rechts in Essen

Stand: 22.11.2021, 13:16 Uhr

Wagenbau-Künstler Jacques Tilly hat am Wochenende seine neueste Figur "Steeliene" vorgestellt. Damit soll in Essen-Steele künftig ein Zeichen gegen Ausgrenzung gesetzt werden.

"Steele bleibt bunt" - das ist nicht nur das Motto des gleichnamigen Bürgerbündnisses, dafür steht ab jetzt auch Jacques Tillys neueste Figur: Die "Steeliene". Sie wurde am Wochenende der Öffentlichkeit vorgestellt.

Jacques Tilly ist vor allem als Wagenbaukünstler im Düsseldorfer Karneval bekannt. Er hat aber auch schon in Essen gelebt. Im Interview erzählt er, warum es ihm eine Herzensangelegenheit ist, im Stadtteil Steele ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen.

WDR: Herr Tilly, wie genau sind Sie auf die Idee mit der "Steeliene" gekommen?

Jacques Tilly: Das Bürgerbündnis "Steele bleibt bunt" hat sich an mich gewandt. Mein Verleger ist Steeler, er wohnt dort und ist auch in dem Bürgerbündnis und hat mich gefragt. Ich habe dann eine Vorlage bekommen, welchen Charakter die Figur haben sollte.

WDR: Und welchen Charakter hat sie jetzt?

Jacques Tilly sitzt in seinem Büro mit Zeichnungen im Hintergrund

Wagenbauer Jacques Tilly hat die Figur "Stelliene" entworfen.

Tilly: Erstmal ist Steeliene weiblich, das ist schon mal die wichtigste Eigenschaft, denn damit steht sie als Kontrast zu den sogenannten "Steeler Jungs" (Anm. d. Red.: rechte Gruppierung) mit ihrem Männlichkeits-Getue, die ja außerdem im rechten Milieu zuhause sind. Und sie hat knallbunte Haare, die sollen die Toleranz und die Weltoffenheit von Essen-Steele symbolisieren. Steeliene ist außerdem stark und soll bewusst kritisch sowie frech gucken.

WDR: Sie haben auch schon in Essen gewohnt. Welche Potenziale hat denn speziell das Ruhrgebiet, um Fremdenfeindlichkeit entgegenzutreten?

Tilly: Das Ruhrgebiet hat immer die verschiedensten Nationalitäten und Gruppierungen angenommen - seit Jahrhunderten. Deswegen ist rechtes beziehungsweise abgrenzendes Gedankengut hier absolut fehl am Platze. Das passt nicht zu den Menschen, passt nicht zu ihrer Mentalität, die immer offenherzig war und ist. Darum ist es prima, dass sich hier Bürgerinnen und Bürger zusammenschließen und ein Zeichen setzen.

"Steeliene" an verschiedenen Stellen im Stadtteil

Sowohl Tilly als auch die Verantwortlichen in Essen-Steele können sich gut vorstellen, die Figur an verschiedenen Stellen im Stadtteil aufzustellen. Bis zum Frühjahr 2022 will Jacques Tilly sie jedenfalls in seiner Werkstatt lebensgroß nachbauen.

Das Interview führte Maren Bednarczyk.

Das Gespräch wurde für die Online-Version sprachlich bearbeitet und gekürzt.