Biesenbach: "Clan-Strukturen in Essen aufbrechen"

 Polizisten stehen bei einer Razzia gegen Clan-Kriminalität in der nördlichen Innenstadt in einem Lokal.

Biesenbach: "Clan-Strukturen in Essen aufbrechen"

Zwei Sonderstaatsanwälte sollen in Essen gezielt gegen kriminelle Familienclans vorgehen. Die Stadt ist Hochburg für Clankriminalität. Ziel sei es, diese nicht nur einzudämmen, sondern auf Dauer zu zerschlagen, so NRW-Justizminister Biesenbach.

Das Landeskriminalamt kennt 50 Clans in Nordrhein-Westfalen, die über Jahrzehnte systematisch ihre eigene Schattenwirtschaft aufgebaut haben. Es sind kriminelle Netzwerke mit Verwandtschaft, mindestens zehntausend Menschen zwischen Rhein und Weser.

Biesenbach: "Clan-Strukturen in Essen aufbrechen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 09.01.2019 06:39 Min. Verfügbar bis 09.01.2020 WDR 5

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Die Landesregierung will nun stärker gegen die Clans vorgehen, damit sich diese Parallelwelt nicht weiter ausbreitet. Zwei Sonderstaatsanwälte kommen in Essen zum Einsatz, in Duisburg gibt es sie bereits seit einem halben Jahr. NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) stellt das Projekt am Mittwoch (09.01.2019) vor.

"Wir kriegen von außen keine Ermittler rein"

"Die Fakten sind eindeutig", sagt der Minister im Interview mit WDR 5 (09.01.2019). Und meint damit, dass Essen eine Hochburg für Clankriminalität sei. "Wir sprechen bundesweit von drei Hotspots, das ist Berlin-Neukölln, dann folgt schon Essen und an dritter Stelle liegt Bremen", so Biesenbach. Auch Duisburg liegt in den Top Ten.

 "Wir kriegen von außen keine Ermittler rein. Es geht nur, indem wir alles und jeden einzelnen genau beobachten, der uns bei Straftaten auffällt", führt Biesenbach aus. Dazu sei eine intensive Zusammenarbeit der Sonderstaatsanwälte mit allen Behörden notwendig, um "wie bei einem Puzzle die kleinen Auffälligkeiten zusammenzustellen und dann zuzuschlagen, wenn es genügend Möglichkeiten zur Anklage gibt."

"Braucht zehn Jahre, um Clans auf Dauer zu zerschlagen"

Bei italienischen Strafverfolgern sei dieses Vorgehen erfolgreich, deswegen gibt es im Ruhrgebiet und jetzt auch in Essen Sonderstaatsanwälte. Als Vorteil nennt der NRW-Justizminister, dass diese aus der Abteilung für organisierte Kriminalität kommen, die Szene gut kennen und Zeit haben, sich nur mit Straftätern aus dem Clanbereich zu beschäftigen.

Biesenbach hat die Hoffnung, diese parallele Kultur nicht nur einzudämmen, sondern auch auf Dauer zerschlagen zu können. Damit sei allerdings nicht in Monaten oder wenigen Jahren zu rechnen. Realistisch sei ein Zeitraum von zehn Jahren, sagt der Minister im WDR 5 Morgenecho. "Wichtig ist, dass wir früh genug mit entsprechend großem Druck beginnen." Es zeige sich in Duisburg, dass die Szene reagiert und sich wehrt. "Sie versuchen, die Beamten, die in Duisburg arbeiten, einzuschüchtern oder bedrohen sie. Dem werden wir alles entgegensetzen, was dieser Staat entgegensetzen kann."

Stand: 09.01.2019, 10:26