Sozialwissenschaftler: "Die AfD betreibt Politik der Angst"

Sozialwissenschaftler Alexander Häusler im Interview mit WDR-Reporter Christof Voigt

Sozialwissenschaftler: "Die AfD betreibt Politik der Angst"

  • AfD hat sich in Waltrop getroffen
  • Start in den Wahlkampf zur Europawahl
  • Interview mit Extremismusforscher Häusler

In Waltrop will die AfD am Donnerstagabend (28.03.2019) mehrere hundert Besucher in die Stadthalle mobilisieren. Es soll die erste Großveranstaltung der Partei in diesem Jahr in NRW werden. Prominentester Gast auf dem Podium: Alexander Gauland, Bundessprecher und Fraktionsvorsitzender der AfD.

Die Partei ist schon im Europawahlkampf-Modus und erhofft sich am 26. Mai einen deutlichen Stimmenzuwachs. Die Chancen dafür stehen gut, sagt Sozialwissenschaftler Alexander Häusler. Er untersucht an der FH Düsseldorf die AfD, Mitglieder und Anhänger seit Jahren wissenschaftlich.

WDR: Welche Bedeutung hat die Europawahl für die AfD?

Alexander Häusler: Die Europawahlen sind so wichtig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Es könnte zu einem starken Rechtsruck im EU-Parlament kommen, geprägt von einer starken Rechtsaußen-Fraktion, in der die AfD eine nicht unbedeutende Rolle spielen könnte. So ein Block könnte wichtige Entscheidungen im Europäischen Parlament blockieren.

WDR: Wie will die AfD Wähler bei der Europawahl gewinnen?  

Häusler: Mit einer bewusst betriebenen Politik der Angst. Es werden Ressentiments geschürt und Feindbilder aufgebaut, "die bösen Muslime" oder "die bösen Einwanderer". Sie versprechen im Europaprogramm eine Renationalisierung der Politik, also dass man angeblich nur noch deutschen und nicht mehr europäischen Interessen dienen würde. Oder es wird versprochen, dass man die Grenzen dicht macht, gegen den Zuzug von Muslimen, die pauschalisierend als Gefahr für die Bevölkerung dargestellt werden.

WDR: Die AfD konnte mit dieser Politik schon bei Landtagswahlen und bei der Bundestagswahl punkten, wieso?  

Häusler: Die Erfolge der Rechten sind Ausdruck der Schwäche der Demokraten. Durch eine Politik, die zu einer massiven Spaltung zwischen Arm und Reich geführt hat, oder durch die Hinwendung linker Parteien zu einer Politik der Mitte sind für viele Menschen in Europa demokratische Alternativen nicht mehr fassbar. Und diese Leute gehen zu guten Teilen jetzt rüber zu den rechten Populisten.

WDR: Wieso sucht sich die AfD als Ort für große Veranstaltungen wie in Waltrop eher kleine Städte aus?

Häusler: Wir haben feststellen können, dass die AfD eher im ländlichen Bereich gewählt wird als in Ballungszentren und besonders wenig in großen Städten mit Universitäten. Das heißt, das Rekrutierungsfeld der AfD ist mehr der kleinstädtische oder ländliche Raum. Gerade im ostwestfälischen Raum und rund um Münster ist die Rechtsaußen-Formation der AfD sehr aktiv. Dort sind auch viele Unterstützer des thüringischen Rechtsaußen-Politikers Höcke zu finden. Und das erklärt, warum da jetzt diese Veranstaltung stattfinden soll.

Das Interview führte Christof Voigt.

AfD in Münster – Proteste geplant Lokalzeit Münsterland 22.02.2019 02:34 Min. Verfügbar bis 22.02.2020 WDR Von Antje Kley

Stand: 28.03.2019, 08:00