Unruhe bei Innogy in Essen – erste Manager gehen

Innogy-Zentrale in Essen

Unruhe bei Innogy in Essen – erste Manager gehen

Von Jörg Marksteiner

  • Innogy-Vorstand will "Integration auf Augenhöhe" mit Eon
  • 2019 droht Innogy die Zerschlagung
  • Idee: Unabhängiger Dritter soll auf fairen Umgang achten

Nur drei Kilometer sind die Firmenzentralen von Eon und Innogy in Essen voneinander entfernt. Mitte kommenden Jahres rücken sie noch näher zusammen. Dann soll Innogy in Eon aufgehen.

So soll der Deal laufen mit Eon, Innogy und RWE

Innogy steht im Mittelpunkt einer Neuausrichtung des deutschen Energiemarktes. Die beiden Energieriesen Eon und RWE wollen die RWE-Tochter zerschlagen und die Geschäfte neu aufteilen. Im ersten Schritt will Eon Innogy komplett übernehmen und im Gegenzug RWE am eigenen Unternehmen mit knapp 17 Prozent beteiligen. Eon würde das lukrative Netzgeschäft und den Stromvertrieb von Innogy behalten, während die erneuerbaren Energien beider Konzerne unter dem Dach von RWE vereint werden sollen.

Für viele Mitarbeiter offenbar keine willkommene Perspektive: Erste Manager verlassen bereits den Energiekonzern. 

Hier geht es zur Diskussion zum Thema "Innogy droht Zerschlagung"

"Wir stellen fest, dass Mitarbeiter nicht zu uns kommen, die im Bewerbungsprozess sind. Und dass auch welche gehen", sagte Firmenchef Uwe Tigges in einer Telefonkonferenz, ohne Zahlen zu nennen. Er verlangte erneut rechtsverbindliche Zusagen von Eon, dass die Übernahme fair und "auf Augenhöhe" verläuft.

Energiekonzerne sind etwa gleich groß

Dabei geht es nicht nur um den angekündigten Abbau von 5.000 Stellen. Auch wenn es um die Besetzung wichtiger Posten geht, müsse Chancengleichheit zwischen den Innogy- und den Eon-Mitarbeitern herrschen. Schließlich seien beide Energiekonzerne mit jeweils rund 40.000 Mitarbeitern nahezu gleich groß.

Andernfalls drohe ein personeller Aderlass bei Innogy. Die Firma soll erst Mitte 2019 aufgelöst werden. So lange blieben Führungskräfte und Talente aber nur, wenn sie auch bei Eon Karrierechancen sehen. "Wenn das nicht gegeben ist, sehe ich da Schwierigkeiten in den nächsten Monaten", warnte der Innogy-Chef.

Tigges fordert fairen Umgang

"Wir wissen, dass es keine Fusion unter Gleichen ist, sondern eine Übernahme", sagte Tigges. Die sollte seiner Meinung nach aber von einem unabhängigen Dritten kontrolliert werden. Der auf einen fairen Umfang und die Einhaltung von Zusagen achtet. Ob Eon darauf eingeht, ist aber offen. Weitere Gespräche sind geplant.

Die am Freitag (11.05.2018) geschlossene Grundsatzvereinbarung mit Eon und den Gewerkschaften sei "ein Schritt in die richtige Richtung". Sie sei aber nur eine Absichtserklärung und reiche noch nicht aus.

Finanzvorstand nach Säure-Anschlag zurück

An der Telefonkonferenz von Innogy nahm auch wieder Finanzvorstand Bernhard Günther teil. Der 51-Jährige war vor zehn Wochen bei einem Säure-Attentat schwer verletzt worden. Täter und Motive sind noch immer unbekannt.

"Es ist ein wichtiger Schritt für mich", sagte Günther, der die Quartalszahlen vorstellte. "Auch wenn der Weg, den ich vor mir habe, sicherlich ein langer sein wird."

Stand: 14.05.2018, 13:37