Impflotterien im Kreis Unna - ist das fair?

Im Kreis Unna entscheidet nun das Los über Impftermine

Impflotterien im Kreis Unna - ist das fair?

Von Jürgen Kleinschnitger

Am Samstag haben in Bönen und Werne mehrere hundert Menschen Glück gehabt: Sie bekamen eine Coronaschutz-Impfung, weil sie dafür ausgelost wurden. Eine Idee, die nicht alle gut finden.

Sigrid Rother aus Bönen hat an diesem Morgen ein Lächeln im Gesicht: Gleich steht ihre Impfung mit Astrazeneca an und sie freut sich darüber, dass sie heute schon eine Impfung bekommt. Als Ihre Heimat-Gemeinde Bönen eine Impfstoff-Verlosung ankündigte, hatte Sigrid Rother sich sofort beworben: "Es waren ja diese Impfdosen über und sollte man die wegwerfen? Dann doch lieber verlosen. Das finde ich ok.“

Am Samstagnachmittag hatten in Bönen 100 Gewinner ihre Impftermine in der Turnhalle einer Grundschule. Viele hier haben ein mulmiges Gefühl dabei und meinen: Es gibt sicher Menschen, die eine Impfung nötiger hätten als diejenigen, die jetzt ausgelost wurden. Einige fragen sich daher: Warum gab es nicht andere Kriterien, nach denen ihre Gemeinde die Impfberechtigten ausgewählt hat?

Impf-Lotterie: Ist das überhaupt erlaubt?

Viele Städte und Gemeinden im Kreis Unna dürfen seit Ostern auch in Eigenregie impfen: Dafür hatte der Kreis 4.200 Astrazeneca-Impfungen bereit gestellt. Die Stadt Werne und die Gemeinde Bönen haben sich entschieden, ihre Impfungen zumindest zum Teil zu verlosen.

Im Kreis Unna entscheidet nun das Los über Impftermine

Im Kreis Unna entscheidet nun das Los über Impftermine

Die Gemeinde Bönen etwa hatte drei Tage vor der Impfung ihre Über-60-jährigen Bürger aufgerufen, sich zu bewerben per Mail. 300 Menschen haben teilgenommen und bis Mittwochabend 18.00 Uhr eine  Mail mit ihrem Namen, Anschrift, Geburtsdatum und Telefonnummer an die Gemeinde geschickt. Diese Mails wurden dann am Donnerstagmorgen ausgedruckt, gefaltet und in eine Wahlurne gelegt. Dann zog eine Mitarbeiterin der Gemeinde nach und nach 100 Gewinner. Dazu noch 20 mögliche Nachrücker. Die Ziehung fand in einem Sitzungssaal statt – auch Journalisten durften dabei sein.

Gemeinde: Fairstes Verfahren

Lotterie und Impfen, das passt nicht zusammen, findet auch Robert Eisler von der Gemeinde Bönen: "Allerdings hatten wir jetzt wenig Möglichkeiten, die Menschen nach anderen Gesichtspunkten auszuwählen. Und insofern ist das Losverfahren vielleicht doch das fairste Verfahren an dieser Stelle.“ Vorher habe die Gemeinde die niedergelassenen Hausärzte gebeten, Patienten über 60 Jahre zu benennen, die mit Astrazeneca geimpft werden möchten. Dabei gab es zu wenige Rückmeldungen. Und so habe man sich für das Auswahlverfahren per Los entschieden.

Jurist: Das Problem ist der knappe Impfstoff – nicht das Auswahlverfahren

Prof. Dr. Helmut Frister ist Jurist und Mitglied des Deutschen Ethikrates. Er meint: Solange das Verfahren transparent sei, die Bewerber impfberechtigt seien und alle dieselben Chancen bei der Ziehung hätten, könne er daran nichts Negatives entdecken. Auch bei anderen Bewerbungen spiele der Zufall derzeit eine große Rolle: Einen Impftermin online zu buchen hänge oft auch vom Zufall ab: Etwa ob man durchkommt oder ob gerade ein Termin frei ist.

Stand: 11.04.2021, 10:14

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