Rechte Hooligans feiern in Kneipe von Kevin Großkreutz

Hooligans posieren vor der Gaststätte "Mit Schmackes"

Rechte Hooligans feiern in Kneipe von Kevin Großkreutz

Von Christof Voigt und David Peters

Die in Teilen rechtsextreme Dortmunder Hooligangruppe "Northside" hat am Samstag (13.11.2021) ihr 20-jähriges Jubiläum in der Dortmunder Gaststätte "Mit Schmackes" gefeiert. Die wird von Ex-BVB-Profi Kevin Großkreutz und seinem Geschäftspartner Christopher Reinecke betrieben.

In Dortmund gibt es im Umfeld von Borussia Dortmund seit 20 Jahren eine in Teilen rechtsextreme Hooligangruppe. "Northside" nennt die sich. Da geht es um Gewalt und Straßenkämpfe. Und die Überschneidungen mit der rechtsextremen Szene sind groß. Nach 20 Jahren stand eine Jubiläumsparty an und die haben die rechten Schläger auch gefeiert. Auf einem Gruppenfoto von diesem Abend sind etwa 70 Personen zu sehen. Sympathisanten, Gäste und Mitglieder der sogenannten Northside.

Fans haben Angst vor der Northside

Buchautor Robert Claus recherchiert intensiv in dieser Szene und kennt auch die Northside gut. Im Stadion des BVB sei die Gruppe kaum wahrnehmbar, sagt Claus: "Man wird keine Zaunfahne sehen, wo "Northside" draufsteht. Insofern hat die Northside weniger den Anspruch eine aktive Fangruppe zu sein. Viel mehr hat sie den Anspruch das Gewalt- und Machtmonopol in der Fanszene zu bilden."

Andere Fans haben Angst vor der gewalttätigen Gruppe. Claus erzählt uns, dass es schwierig sei, einzelne Personen der Northside zuzuordnen. Vieles laufe im Verborgenen ab, das sei kein eingetragener Fanclub, es gebe keine Internetseite oder Ähnliches.

Hooligans haben Verbindungen zur Ultra-Gruppe Desperados

Allerdings gebe es enge Kontakte zu einer Dortmunder Ultra-Gruppe, den Desperados, weiß der Fanforscher: "Alle mir bekannten Mitglieder der Northside haben eine längere Geschichte im gewaltaffinen Teil der Dortmunder Fanszene und einige kommen von den Desperados. Man kann Gruppen wie die Desperados als Rekrutierungspool für die Northside ansehen."

Kevin Großkreutz und sein geschäftspartner Christopher Reinecke

Auf dem Gruppenbild vom vergangenen Samstag ist auch Christopher Reinecke zu sehen. Er ist Chef im "Mit Schmackes", zusammen mit Ex-Fußballnationalspieler und Weltmeister Kevin Großkreutz. Reinecke ist seit 20 Jahren bei der Ultragruppe Desperados. Er weiß also ganz genau mit wem er da für ein Foto posiert hat. Für ein TV-Interview haben weder Kevin Großkreutz noch Christopher Reinecke Zeit.

Großkreutz soll von der Hooligan-Feier nichts gewusst haben

Telefonisch teilt uns Reinecke mit, Kevin Großkreutz habe von der Veranstaltung nichts gewusst. Reinecke selbst sei an diesem Abend vor Ort gewesen, es habe keinen Ärger gegeben, Neonazis habe er nicht gesehen. Und auch von Kontakten der Northside in die rechtsextreme Szene wisse er nichts.

Dabei sind die offensichtlich: Die Hooligans Dortmund, zu denen sich auch die Northside zählt, überbringen einen Trauerkranz beim Gedenken an die verstorbene Neonazi-Ikone Siegfried Borchardt. Das war erst Anfang Oktober.

In der ersten Jahreshälfte 2021 ist ein Dortmunder Neonazi bei einem illegalen Untergrundkampf an den Start gegangen. Robert Claus ist sich sicher: der Kampf hat in den Trainingsräumen der Northside stattgefunden. Die trainiere dort auch Straßenkampf.

Kontakte in die Neonaziszene

Die Northside spielt in Dortmund offenbar auch eine wichtige Rolle in der rechtsextremen Kampfsport-Szene. Es gibt Verbindungen zu Alexander Deptolla, führender Kopf der Dortmunder Neonazis. Der hat bereits große rechte Kampfsportevents veranstaltet.

Auch für den Hooliganexperten Claus sind die Verbindungen in die Neonazi-Szene deutlich: "Wenn man sich anguckt, in welchen Netzwerken die Aktiven der Northside sich bewegen, dann sind ganz enge Kontakte in die militante Neonaziszene in Dortmund nachweisbar."

Die Gaststätte "Mit Schmackes" in Dortmund

Im Telefonat mit uns lehnt Schmackes-Chef Reinecke jeden Extremismus ab. Den wolle er nicht in seinem Laden haben. Trotzdem lässt er die Northside-Hooligans in seiner Kneipe feiern.

Das findet Hooligan-Experte Claus nicht überzeugend und nimmt auch Großkreutz in die Pflicht: "Ich geh davon aus, dass Kevin Großkreutz aktive Kontakte in die Dortmunder Hooliganszene hat. Ob ihm die politische Tragweite bewusst ist, muss man gesondert betrachten. Jemand wie Kevin Großkreutz, der eine imposante Geschichte beim BVB hat, ist deutlich aufgerufen, sich davon aktiv zu distanzieren und das nicht nur oberflächlich zu tun."

BVB beobachtet die Northside "mit Besorgnis"

Teil vom Signal Iduna Park mit BVB-Flaggen

Der BVB hat sich schon lange von der Northside distanziert. Der Verein bestätigt unsere Recherche, dass einzelne Mitglieder sich zurzeit wieder bei Spielen im Stadion tummeln: "Vor diesem Hintergrund beobachtet der BVB die Aktivitäten sehr genau und mit Besorgnis. Bei Verstößen gegen die Stadionordnung werden wir konsequent einschreiten und den rechtlichen Rahmen ausschöpfen."

Auch um andere Fans vor möglicher Gewalt durch Mitglieder der Northside zu schützen, fährt der Verein seit dieser Saison ein neues Konzept. Fans, die sich unsicher, bedroht oder belästigt fühlen, können sich einfach mit einem Codewort an den Ordnungsdienst wenden und erhalten dann sofort Unterstützung. Der BVB zeigt klare Kante gegen die rechten Hooligans. In der Kneipe von Kevin Großkreutz tun sie sich damit offenbar noch schwer.

Stand: 19.11.2021, 14:25