Duisburg: Mehr als 200 Bewohner mussten aus Wohnungen raus

Hochhäuser werden geräumt: 200 Menschen müssen Wohnungen verlassen 01:50 Min. Verfügbar bis 14.02.2020

Duisburg: Mehr als 200 Bewohner mussten aus Wohnungen raus

  • Brandschutzmängel in zwei Hochhäusern
  • Rund 200 Duisburger mussten aus Wohnungen raus
  • 41 Menschen kommen in Flüchtlingsunterkunft unter

Viele Mieter waren wütend und verzweifelt: "Wenn irgendwas kaputt ist, muss ich das ganz machen - keine Frage", sagte Bewohner Gerhard Hoschke dem WDR. "Aber innerhalb von vier Stunden das Leben mal eben in den Koffer zu packen, finde ich grenzwertig." Er fühle sich "gerade etwas überfordert". Die mehr als 200 Bewohner mussten ihre Wohnungen noch am Abend verlassen.

Stadt Duisburg: 41 Menschen wurden in einer Flüchtlingsunterkunft untergebracht

Bis alle Menschen aus ihren Wohnungen auszogen, war es 23:30 Uhr, so die Stadt Duisburg am Freitag (15.02.2019). Sie schliefen bei ihren Eltern, bei Freunden. 41 Menschen kamen in einer von der Stadt gestellten Unterkunft in Duisburg-Neudorf unter, in der derzeit auch Flüchtlinge leben. Sieben Bewohner mussten in Krankenhäusern untergebracht werden. Elf Tiere verbachten die Nacht im Tierheim.

Am Donnerstag (14.02.2019) hatten Gutachter bei einer Begehung in zwei Hochhäusern auf der Husemannstraße "eklatante Brandschutzmängel" festgestellt. Die Stadt hatte die Nutzung der Häuser in Duisburg-Homberg mit sofortiger Wirkung untersagt.

Rauch kann sich bei Brand schnell ausbreiten

Auf Grund offener Schächte vom Keller über das Treppenhaus bis in die Wohnungen hinein, könne sich bei einem Brand der Rauch ungehindert im gesamten Haus ausbreiten. Das erschwere auch die Rettung durch die Feuerwehr.

Bereits vergangene Woche hatten Fachleute Brandschutzmängel in den Hochhäusern festgestellt, daraufhin wurden weitere Gutachter hinzugezogen. Laut Stadt stellte sich am Donnerstag (14.02.2019) heraus, dass durch die Mängel bei einem Brand eine akute Lebensgefahr für die Bewohner besteht.

Stadt Duisburg: Eigentümer für Mieter verantwortlich

Der Eigentümer der Hochhäuser muss sich nun um die künftige Bleibe der Bewohner kümmern, bis geklärt ist, wie es weitergeht. Sollte er das nicht tun, hilft den Duisburgern die Fachstelle für Wohnungsnotfälle des Amtes für Soziales und Wohnen. Die Kosten, so die Stadt, muss dann allerdings der Eigentümer tragen.

Zwei Fondsgesellschaften aus Wien, "Bewe Immobiliengesellschaft" und "Esmor Realitätenhandel", sind Vermieter der beiden Häuser, so die Stadt Duisburg. Der Vermieter kündigte laut Stadt am Donnerstag (14.02.2019) an kurzfristig Handwerker zu beauftragen, um die Mängel zu beheben. Die Stadt betont, nur der Vermieter könne dafür sorgen, dass die Mieter schnell aus ihrer unangenehmen Situation befreit würden.

Stadt hat Notfallnummern für Bewohner eingerichtet

Die Stadt hat Notfallnummern eingerichtet: Betroffene Mieter der Husemannstraße können bei Fragen zur Wohnraumvermittlung diese Nummer wählen: 0203-94000. Wenn Mieter nochmals in ihre Wohnungen möchten, können sie sich an das Bürgeramt wenden, unter der zentralen Telefonnummer 0203-283 8725.

Stand: 15.02.2019, 14:48

Kommentare zum Thema

24 Kommentare

  • 24 Christoph Strebel 17.02.2019, 00:17 Uhr

    Nach der Sperrung von Hannibal in Dortmund und vielen anderen Hochhäusern hätte beim Eigentümer eigentlich die Alarmglocken klingen müssen und er hätte rechtzeitig die baulichen Ergänzungen vornehmen müssen.

  • 23 Markus S 16.02.2019, 15:55 Uhr

    Das Oberverwaltungsgericht Münster verwies in einem Urteil aus dem Jahr 1987 darauf, dass in einem Unternehmen jederzeit mit einem Brandfall zu rechnen ist: "Es entspricht der Lebenserfahrung, dass mit der Entstehung eines Brandes praktisch jederzeit gerechnet werden muss. Der Umstand, dass in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Brand ausbricht, beweist nicht, dass keine Gefahr besteht, sondern stellt für die Betroffenen einen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit gerechnet werden muss." Ich finde die Maßnahme gerechtfertigt, nicht auszudenken wenn es zu einem Brand gekommen wäre.

  • 22 Norbert T. 16.02.2019, 14:16 Uhr

    Aha, die konnten da also Jahrzehnte lang leben und nachdem die Mängel entdeckt wurden müssen Sie augenblicklich Ihre Wohnungen verlassen? So einen Schwachsinn gibt es nur in Deutschland. Ich wette darauf dass da ein Geklüngel mit Schmiergeldern dahinter steckt und der Vermieter in Wirklichkeit nur alle Mieter auf einen Schlag loswerden will um da eine Immobilie die mehr Geld abwirft hinzustellen. Ist nicht anders zu erklären.

  • 21 Armin Schröder 16.02.2019, 13:57 Uhr

    Meine Frau und ich sind empört wie hier mit Menschen umgegangen wird. Reine Willkür, keine Überlegung im Vorfeld um andere Lösungen. Zwangsräumung, Enteignung, und Trennung von Mensch und Tier. Das ist gegen jegliche Menschenwürde. Wir sollten alle eine Demo veranstalten. So darf man mit Menschen nicht umgehen! Wir sind Eigentümer und können nicht so einfach geräumt werden. Oder doch?

  • 20 Anonym 16.02.2019, 09:58 Uhr

    die öffentlichkeit sollte unbedingt auch über die rechte dieser menschen informiert werden

  • 19 Anonym 16.02.2019, 09:56 Uhr

    warum können diese mieter nicht im notfall auch in ein hotel

  • 18 Jürgen F. 15.02.2019, 19:54 Uhr

    Wo war das Bauaufsichtsamt und die Feuerwehr den in den vergangenen Jahren ?????? Da scheint ja wieder mal geschludert worden zu sein ,wie es scheint !! ?? Und jetzt legt man wilden Aktionismus an den Tag ,um das zu verdecken . Der Bockmist ,der vergangenen Jahren, geht jetzt zu Lasten der Mieter . Da kann man doch dran´ fühlen ,wie es so schön heißt !

  • 17 ssc58 15.02.2019, 17:41 Uhr

    es gibt mit Sicherheit kurzfristig umsetzbare technische Maßnahmen, um eine solche Räumung zu vermeiden. z.B. Rauchmelder, die direkt an die Feuerwehr melden etc. Dazu alle frei zugänglichen Flure und Keller von dort abgestellten Gegenständen befreien. Einen Wachdienst auf Kosten des Vermieters einstellen. Mittelfristig Anbau von Feuerleitern und Rauchabzügen. Für die Bewohner wird mit solch einer Hals-über-Kopf-Räumung das Leben für Monate auf den Kopf gestellt. Statt mit Beamtendickschädel auf bestehende Gesetzte (die ja offenbar jahrelang keinen interessiert haben) zu pochen, sollte hier mit mehr Feingefühl gehandelt werden.

  • 16 Gerd Fuchs 15.02.2019, 14:37 Uhr

    Als ehemaliger Facility Manager in Frankfurt für Wohn-Hochhäuser bis 25 Etagen, kommt mir die Reaktion der Behörden die Mieter sofort raus zu werfen übertrieben vor. Den Keller zu blockieren würde vermutlich ausreichen um die Brandschutzmaßnahmen durchzuführen. Das sieht so aus als wolle man die Mieter loswerden um anschließend höhere Mieten zu erzielen. MfG. Gerd Fuchs

  • 15 Gerd Fuchs 15.02.2019, 14:33 Uhr

    Als ehemaliger Facility Manager in Frankfurt für Wohn-Hochhäuser bis 25 Etagen, kommt mir die Reaktion der "Behörden" die Mieter sofort raus zu werfen übertrieben vor. Den Keller zu blockieren würde vermutlich ausreichen um die Brandschutzmaßnahmen durchzuführen. Das sieht so aus als wolle man die Mieter loswerden um anschließend höhere Mieten zu erzielen. MfG. Gerd Fuchs

    Antworten (2)
    • M. Fischer 15.02.2019, 14:45 Uhr

      Wer ist denn Eigentümer? Viel ist ja nicht bekannt.

    • Hans Winkelhag 15.02.2019, 19:50 Uhr

      Vermieter sind wohl 2Wiener Immobilien- Fonds, die schnelle Euros machen wollten und keiner hat hingesehen. Jetzt wird auf die Schnelle geräumt und die Mieter haben das Nachsehen . Nach dem Love-Parade-Desaster muss jetzt auf einmal Durchsetzungsvermögen gezeigt werden. Leider gegen die Mieter statt gegen die Wohnungungshaie. Jahre passiert nichts und jetzt kurzfristige Räumung . Vorredner haben schon sofort umsetzbare Massnahmen aufgezeigt, die dieses Chaos verhindert hätten Außerdem sollte die Staatsanwaltschaft tätig werden, da bei diesen gravierenden Mängeln vom Versuch vorsätzlicher Körperverletzung ausgegangen werden kann.

  • 14 Ricky Lee 15.02.2019, 13:59 Uhr

    Zuerst ist die Stadt über Jahre " Büttel" des Kapitalismus, guckt gleichgültig zu, und dann wird innerhalb von 4 Stunden entschieden, dass die Mieter Raus müssen. Unglaublich, wie diese Stadt - verantwortlichen mit ihren Bürgern umgehen. Unfassbar dreist! Schlüssel ausgetauscht....... Diese Verwaltung behandelt Ihre Bürger wie Leibeigene. Wie lange haben die Entscheider das gewusst? Wie lange dauert es, bis ein Entscheidung on dieser Stadt über den Schreibtisch geht? Lange! Aber für die Betroffenen geht es dann schnell. Nochmal. Unfassbar

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