Ärger um Hattinger "Freiheits-Bäcker"

Gebäck mit Aufschrift: Kein Rassismus gegen Maskenbefreiung

Ärger um Hattinger "Freiheits-Bäcker"

Von Daniel Chur

Ein Hattinger Bäcker stellt sich offen gegen die Corona-Regeln und lässt wohl Kunden ohne Maske ins Geschäft. Das sorgt für Diskussionen, teilweise Zuspruch - und nun auch für Kündigungen.

Er nennt sich selbst: "Hattinger Freiheits-Bäcker". Tatsächlich sorgt er in der Stadt und auch in den sozialen Medien immer mehr für Diskussionen, aber auch für einen Ansturm auf seinen Laden. Der Bäcker aus Hattingen stellt sich offen gegen die Corona-Regeln und duldet offenbar, dass Kunden seinen Laden ohne Masken betreten.

Gebäck mit Parolen beschriftet

Betritt man die Bäckerei, springen einem Schriftzüge entgegen: An den Wänden stehen Sprüche wie "Endsieg der Regierung: Jeder wird geimpft". Auf Gebäck-Teilchen sind Parolen gespritzt wie "Corona-Mafia - nein danke" oder "Bald richtige Diktatur". Eine sehr progressive Art der Meinungsäußerung.

Viele Stammkunden hätte das verschreckt, berichten uns mehrere von ihnen. Es sei dafür jedoch eine Art "Tourismus" ausgebrochen. Menschen aus dem ganzen Ruhrgebiet, die man wohl dem Lager der "Querdenker" zuordnen kann, besuchen das Geschäft.

Ordnungsamt ohne Handhabe

Blick auf das Gebäude des selbst ernannten "Freiheits-Bäcker von Hattingen", der sich offen gegen Corona-Regeln stellt

Mehrere Stammkunden haben sich nun aber beschwert, dass der Bäcker den Aufenthalt ohne Maske in seinem Laden duldet, entgegen der Corona-Schutzverordnung. Bei Kontrollen habe das Ordnungsamt bisher nichts derartiges feststellen können, so die Stadt. Man kontrolliere weiter. Das Thema Maskenpflicht hat aber auch schon dazu geführt, dass es in der Bäckerei inzwischen eine arbeitsrechtliche Auseinandersetzung gibt: Laut der Hattinger Anwältin Nancy Brehme hatte der Bäcker zwei Mitarbeiterinnen mit sofortiger Wirkung ihres Arbeitsplatzes verwiesen, nachdem sie Kunden im Geschäft dazu aufgefordert hatten, Masken zu tragen.

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Die Anwältin vertritt eine der beiden Frauen. Diese sei immer wieder in dem Dilemma gewesen, Stammkunden zu erklären, warum andere Kunden in dem Geschäft keine Maske trügen. "Meine Mandantin musste sich dann rechtfertigen und erklären, sie dürfe nichts sagen, weil das die Vorgabe des Arbeitgebers ist", so Nancy Brehme.

Ob beiden Frauen wirklich gekündigt worden ist, ließ sich nicht schlussendlich klären. Der Bäcker aus Hattingen wollte sich dem WDR gegenüber dazu nicht äußern. In einem Facebook-Video sucht er aber gerade nach neuem Personal.

Corona-Proteste: Rechts oder naiv? Monitor 10.09.2020 09:57 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 Das Erste Von Jan Schmitt, Mathea Schülke, Julia Regis

Stand: 10.11.2020, 11:11