Viele Hannibal-Mieter in Dortmund wissen nicht mehr weiter

Viele Hannibal-Mieter in Dortmund wissen nicht mehr weiter

Von Sonja Gerhardt

  • Vermieter will Wohnkomplex am 31. Januar verschließen
  • Mieter sollen schnellstens ihre Wohnungen räumen
  • Mieterverein will einstweilige Verfügung erwirken

Bis zum 31. Januar 2018 soll Darius Czarkowski seine Wohnung im Dortmunder Hannibal-Hochhaus geräumt haben. Seine Wohnung ist rund vier Monate nach der Räumung des Hauses noch fast komplett möbliert. Momentan lebt Czarkowski bei seinen Eltern. Eine neue Wohnung hat er nicht. "Ich hole jetzt noch zwei Schränke raus. Die kann ich noch bei meinen Eltern unterstellen. Mehr geht nicht", sagt er. Was aus seinen anderen Möbeln werden soll, weiß er nicht.

Wie Czarkowski geht es auch vielen anderen. Rund 290 Menschen sind noch in Notunterkünften und kommunalen Notwohnungen untergebracht. Die meisten mussten ihre Möbel aus Platzgründen im Hannibal lassen.

Ende des Monats wird auch der Strom abgestellt

Vermieter Intown hatte der Stadt und dem Dortmunder Mieterverein Mitte Januar mitgeteilt, dass der Komplex Ende des Monats stillgelegt wird. Das bedeutet, dass neben der Heizungs- und Wasserversorgung dann auch der Strom abgestellt und das Gebäude verriegelt wird.

Zwei ehemalige Hannibal-Mieter diskutieren

Die Mieter Hans-Günther Seiberling (links) und Darius Czarkowski sind verzweifelt

"Wir bieten allen Mietern weiterhin Unterstützung und Beratung an", so Stadt-Planungsdezernent Ludger Wilde. Umzugskosten würden von der Stadt für Bezieher von Transferleistungen übernommen. Ansonsten gelte weiter die Einzelfall-Prüfung. "Der Vermieter ist jetzt gefragt zu helfen", so Wilde.

Mieterverein will Mietern weiterhin den Zugang ermöglichen

Der Dortmunder Mieterverein hält das Vorgehen des Vermieters für rechtswidrig und will am Mittwochmorgen (24.01.2018) eine einstweilige Verfügung beim Amtsgericht erwirken. "Dadurch soll der Zugang für alle Mieter mit noch gültigen Mietverträgen weiter gewährleistet bleiben", so Rainer Stücker vom Mieterverein.

Vermieter Intown hält Räumung für rechtswidrig

Grund für die Stilllegung, so der Vermieter Intown, sei der Rechtsstreit mit der Stadt Dortmund. "Da der Zeitpunkt einer gerichtlichen Entscheidung nicht vorhersehbar ist, ist es derzeit nicht möglich, den Termin eines Wiedereinzugs für die Mieter zu benennen". Intown bekräftigte am Dienstag (23.01.2018), dass die Räumung des Gebäudes unangemessen und rechtswidrig gewesen sei. Es habe für die Nutzer keine unmittelbare oder mittelbare Gefahr bestanden.

Dass der Eigentümer den Hannibal überhaupt noch sanieren will, bezweifelt der Dortmunder Mieterverein. Mietern wie Darius Czarkowski bleibt nur darauf zu hoffen, dass eine einstweilige Verfügung vom Amtsgericht ihnen ein wenig mehr Zeit verschafft.

Stand: 23.01.2018, 17:00