Corona-Hotspot Hamm: Stadt will Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen

Corona-Hotspot Hamm: Stadt will Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen

Nach einer einzigen XXL-Hochzeit ist die Zahl der Corona-Fälle in Hamm drastisch gestiegen. Hamms OB Hunsteger-Petermann will die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

So außer sich, hat man Hamms Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann selten erlebt. "Es kann nicht sein , dass eine einzige Familie mit ihrer Familienfeier eine ganze Stadt durcheinanderbringt oder im schlimmsten Fall sogar noch einen Lockdown auslöst.", schimpft er.

Massive Verstöße gegen Corona-Regeln?

Auslöser für Hunsteger-Petermanns Zorn sind eine private Hochzeit und ein weiteres damit verbundenes Fest Anfang September in Hamm und Dortmund. Dort kamen mehrere hundert Menschen zusammen. Es soll massive Verstöße gegen Corona-Regeln gegeben haben, Teilnehmerlisten sollen nicht ordnungsgemäß geführt worden sein.

Nun rechnet man mindestens 99 akut Infizierte diesen Feiern zu, die allesamt "zum Bereich der Verwandten und Anverwandten" gehörten.

"Wegen eines Ereignisses in einer kleinen Gruppe wird die ganze Stadt in Haftung genommen," sagt Hunsteger-Petermann. Wie viele Menschen auf der Feier tatsächlich waren und wie das Gesundheitsamt sie identifizieren kann, ist noch nicht klar.

Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen

Zuerst will die Stadt das Infektionsgeschehen unter Kontrolle bringen. Dann sollen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. "Deshalb werden wir auch alle rechtlichen Möglichkeiten, die wir haben, nutzen. Wir werden sicherlich versuchen, auch das Brautpaar in Regress zu nehmen, aber auf jeden Fall auch den Veranstalter", kündigte er an. Das Rechtsamt prüft, welche Möglichkeiten die Stadt hat - von Bußgeldern bis Schadensersatz.

Die Stadt Hamm sei "in voller Härte" von einer zweiten Corona-Welle getroffen, sagte Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann am Montag. Deswegen gelten in Hamm jetzt neue Corona-Regeln.

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Corona-Hotspot Hamm

Hamm ist deutschlandweit derzeit die Stadt mit der höchsten Neuinfektionsrate in ganz Deutschland. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 94,4 teilte die Stadt am Mitwoch mit. Das bedeutet, dass sich in den vergangenen sieben Tagen je 100.000 Einwohner 94,4 Menschen mit dem Virus angesteckt haben.

Am Dienstag verkündete der OB, dass sich nur noch bis zu fünf Personen oder zwei Familienverbände in der Öffentlichkeit treffen dürfen. Das soll ab Mittwoch gelten. Auch der Kirmes-Park ist abgesagt.

Maskenpflicht kommt zurück

Außerdem wird die Maskenpflicht in weiterführenden Schulen wieder eingeführt, sofern ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den einzelnen Personen nicht eingehalten werden kann. Die Maskenpflicht wird also nur dann nicht gelten, wenn die Klassenräume groß genug sind. Die generelle Maskenpflicht in NRW-Schulen gilt seit Anfang September nicht mehr.

Private Veranstaltungen eingeschränkt

Private Veranstaltungen zwischen 25 und 50 Personen müssten nun in Hamm ab Dienstag angemeldet werden. Bei 50 bis 150 Teilnehmern müsse das Fest mitsamt Hygienekonzept im Vorfeld der Stadt zur Genehmigung vorgelegt werden. Mehr als 150 Personen seien nicht mehr möglich. Es werde ein Bußgeld ab 2000 Euro verhängt, wenn es zu Verstößen komme.

Auch bei Sportveranstaltungen seien maximal noch 150 Zuschauer erlaubt. Man gehe davon aus, dass auch dort in Zukunft die Maskenpflicht gelten werde, sofern ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet ist, sagt Hunsteger-Petermann. Der OB spricht von "sehr deutlichen Maßnahmen".

"Wir wollen keinen kompletten Lockdown"

Die Beschlüsse gelten für die 182.000-Einwohner-Stadt zunächst für zwei Wochen. Man wolle Einschränkungen für Kitas, Gastronomie und Kulturveranstaltungen vermeiden, betonte der OB. "Wir wollen keinen kompletten Lockdown."

Auch Dortmund zieht Konsequenzen

Auch Dortmund hat bereits erste Konsequenzen aus dem Corona-Ausbruch in Hamm gezogen. Das größte Fest im Rahmen der XXL-Hochzeit hatte nämlich in einer Dortmunder Halle stattgefunden.

Das Ordnungsamt hat den Betreiber der Halle an die Höchstgrenze von 150 Teilnehmern erinnert. Weil er am Samstag schon wieder gegen die Corona-Regeln verstoßen hat, wurde eine Feier dort abgebrochen - außerdem muss der Betreiber der Halle ein Bußgeld zahlen.

Welche Langzeitfolgen gibt es? Quarks – Corona in 5 Minuten Folge 9 01.09.2020 04:56 Min. UT DGS Verfügbar bis 01.09.2021 WDR

Stand: 23.09.2020, 14:00