100 Tage auf Eiche in Castrop-Rauxel: Baumbesetzer will durchhalten

Der 21-jährige in der Eiche, für die er seit 100 Tagen kämpft

100 Tage auf Eiche in Castrop-Rauxel: Baumbesetzer will durchhalten

Von Jan Schulte

  • Umweltaktivist besetzt seit Anfang Oktober eine alte Eiche in Castrop-Rauxel
  • Mahnwache musste abgebrochen werden
  • Bis mindestens Anfang März will der 21-Jährige noch durchhalten

Es ist ruhig geworden im Stadtteil Habinghorst. Wer durch die Heerstraße fährt, bemerkt nicht, dass dort, hinter einer Reihe gut gepflegter Wohnhäuser, ein Umweltaktivist mit dem Mittwoch (08.01.2020) seit genau 100 Tagen dafür kämpft, dass eine rund 250 Jahre alte Eiche nicht gefällt wird. „Hambi Potter“ nennt er sich auf seinen Social-Media-Kanälen, sein bürgerlicher Name ist Johannes.

Seit Oktober Baumbewohner

„Ich hätte nicht erwartet, dass ich so lange hier bleiben werde“, sagt er. Seit der Nacht auf den 01. Oktober (2019), an dem die Fäll-Erlaubnis der Stadt in Kraft getreten ist, wohnt Johannes in rund neun Metern Höhe – inmitten der Baumkrone der alten Eiche. Gut gesichert mit Seilen. Gut verpflegt mit Tee und Suppe, die ihm seine lokalen Unterstützer regelmäßig anreichen.

"Ich bin hier und ich bleibe hier"

Eigentlich sollten jetzt, Anfang 2020, die Baumaschinen anrücken und die Arbeiten für ein neues Wohngebiet beginnen. Dafür soll die Eiche gefällt werden. Aktivist Johannes verhindert das durch seine illegale Baumbesetzung. „Ich bin hier und ich bleibe hier“, sagt er entschlossen.

Investor droht mit Anzeigen

Der Investor, eine Firma mit Sitz in Herne, hat mittlerweile einen Bauzaun um das Areal gezogen. Die Mahnwache, die rund um die Uhr vom Verein „Rettet die alte Eiche e.V.“ betrieben wurde, musste ihren Pavillon unter dem Baum abbrechen. Dazu hatte der Investor alle Beteiligten mit einem Brief aufgefordert, drohte mit Anzeigen.

„Wir wollen nichts Illegales machen“, betont Wolfgang Schlabach, Mitglied im Verein. Die Unterstützung für „Hambi Potter“ besteht aber weiterhin. Mit Funkgeräten und per Smartphone wird kommuniziert. „Und den Brief, den er vom Investor bekommen sollte, hat er da oben nicht angenommen“, erzählt Wolfgang Schlabach.

Gericht prüft Rechtmäßigkeit der Fällgenehmigung

„Ich glaube, die Eiche ist der berühmteste Baum des ganzen Ruhrgebiets geworden“, sagt Johannes. Immer wieder sucht er Kontakt zu Lokalpolitikern, die ihn und den Erhalt der Eiche unterstützen sollen. „Es tut sich bei einigen Parteien aber nicht viel“, hat er für sich festgestellt.

Bis Anfang März, wenn die Fäll-Saison vorbei ist und die Eiche somit vorerst gerettet sein könnte, will er noch bleiben. Mindestens. „Wir warten noch eine Klage ab“, sagt er, „das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen prüft, ob die Genehmigung überhaupt rechtens ist.“ Sein Unterstützer Schlabach ergänzt: „So lange darf den Baum quasi keiner anfassen. Aber wir wissen: ohne Johannes wäre die Eiche wohl schon längst gefällt worden.“

Stand: 08.01.2020, 07:02