Haftstrafe für Renter: Er wollte seine demenzkranke Frau töten

Haftstrafe für Renter: Er wollte seine demenzkranke Frau töten

Das Duisburger Schwurgericht hat einen 89 Jahre alten Rentner wegen versuchten Totschlags zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Er hatte zuvor gestanden, im Dezember 2020 mit einem Küchenmesser auf seine 84 Jahre alte und an Demenz leidende Ehefrau eingestochen zu haben. Ihr wurden mehrere tiefe Schnitte am Hals zugefügt. Dann hätten ihn aber die Kräfte verlassen, hieß es im Prozess. Außerdem habe sich das Opfer gewehrt.

Rentner wollte Suizid begehen

Stunden nach der Tat hatte der Angeklagte schließlich den Notruf gewählt und dabei mehrmals erklärt: "Ich wollte meine Frau töten, aber es hat nicht geklappt." Nach der Tat habe er eigentlich vorgehabt, Suizid zu begehen. "Aber jetzt weiß ich nicht mehr weiter, also kommen Sie bitte", habe der Rentner am Telefon gesagt.

Das Gericht gestand dem Senior zu, sich in einer Situation massiver Überforderung befunden zu haben. Dennoch habe er nicht das Recht gehabt, "die Ehefrau zum Gegenstand seiner Entscheidung zu machen". An eine vom Verteidiger beantragte Haftstrafe, die noch einmal zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, war aus Sicht der Richter nicht zu denken.

Aus einem Brief, den der Senior in der Untersuchungshaft verfasst hat, gehe hervor, dass er die Tat keinesfalls bereue. Außerdem gebe es keine Anzeichen dafür, dass seine Ehefrau ebenfalls den Wunsch hatte, aus dem Leben zu scheiden.

Vorerst aus U-Haft entlassen

Mit der Urteilsverkündung wurde der Angeklagte jedoch vorerst aus der Untersuchungshaft entlassen. Er hat jetzt die Möglichkeit, gegen die Entscheidung Revision einzulegen. Dann würde sich der Bundesgerichtshof noch einmal mit dem Fall befassen.

Erst wenn das Urteil rechtskräftig ist, muss der Angeklagte mit einer Aufforderung zum Antritt der Haftstrafe rechnen.

Stand: 09.06.2021, 15:26