Essener Klinikdirektor festgenommen

Essener Klinikdirektor festgenommen

  • Essener Arzt wird u.a. Totschlag vorgeworfen
  • Transplantationszentrum könnte gestrichen werden
  • Einfluss auf Organspendenbereitschaft befürchtet

Zur Diskussion über den Transplantationsskandal

Der Eingang des Essener Universitätsklinikums.

Seit Dienstag (04.09.2018) sitzt der Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Essen in Untersuchungshaft. Der Vorwurf lautet auf Totschlag in einem Fall und auf gefährliche Körperverletzung in fünf Fällen. Laut Staatsanwaltschaft Essen soll der Mediziner gegen das Transplantationsgesetz verstoßen haben.

Transplantationszentrum vor dem Aus?

Jetzt könnte das Transplantationszentrum aus dem Krankenhaus-Angebot des Landes gestrichen werden. Das Land NRW prüft erneut, dem Transplantationszentrum den Versorgungsauftrag zu entziehen.

Einen ersten Skandal aufgrund von Unregelmäßigkeiten bei Transplantationen hatte es schon vor einem Jahr gegeben. Daraufhin war das Land NRW schon einmal tätig geworden. Es ging auch darum, dem Chef des Zentrums möglicherweise die Approbation zu entziehen. Doch rechtlich gab es keine Handhabe.

Befürchtung: Weniger Organspenden

Patientenschützer haben auf den neuen Transplantationsskandal besorgt reagiert. Sie fürchten, dass die ohnehin geringe Bereitschaft zu Organspenden weiter abnehmen könnte. Dies vor allem in Anbetracht der heftigen Vorwürfe gegen den Essener Mediziner.

Staatsanwaltschaft: Sechs bekannte Fälle

In den Jahren 2012 bis 2015 soll der 61-Jährige für sechs Lebertransplantationen verantwortlich sein, bei denen das Risiko der Transplantation höher war, als die Erkrankung selbst. Im Jahr 2014 soll deswegen ein Patient nach einer Transplantation verstorben sein.

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, fordert jetzt vom Bund strengere Kriterien für Mediziner: "Das System macht es ihnen zu leicht. Obwohl die Gesetze verschärft worden sind, handeln Transplantationsmediziner scheinbar noch immer nach ihren eigenen Regeln."

Mediziner in Untersuchungshaft

Das Uniklinikum Essen hat angekündigt mit der Staatsanwaltschaft vollumfänglich zusammenzuarbeiten. Der Chef der Chirurgie sitzt aktuell in Untersuchungshaft, weil Fluchtgefahr besteht. Außerdem befürchtet die Staatsanwaltschaft Essen, der Mediziner könnte ähnliche Taten wieder begehen. Die Ermittlungen laufen weiter, es gilt aufzuklären, ob sich weitere Mediziner des Uniklinikums strafbar gemacht haben könnten.

Hier ist Platz für Ihre Meinung.

Stand: 05.09.2018, 09:50

Kommentare zum Thema

13 Kommentare

  • 13 Fadime Sulak 06.09.2018, 21:11 Uhr

    Hallo. Wir lesen leider sehr viel negatives über das UKM Essen. Wen könnte ich in diesen Fall persönlich mal sprechen. Mein Vater wurde im Jahre 2012 auch in der Klinik operiert. Mein Ehemann hat meinem Vater eine Teilleber gespendet meinem Ehemann geht es gut aber mein Vater ist leider 5 Tage nach der OP verstorben. Da sind viele Fragen die offen stehen leider und auch viele Sachen die nicht so laufen sollten wie die gelaufen sind. Wir haben damals auch Rechts Mediziner eingeschaltet was aber ganz schnell vom Tisch kam. Uns beschäftigt diese Sache immer noch. Ich würde mich freuen wenn jemand diesen Fall nochmal in die Hand nimmt. Uns ist klar das es unseren Vater nicht zurück bringt aber wenn der Dr. Paul damals der Chef Arzt dort absichtlich was gemacht hat soll er seine Strafe bekommen

  • 12 Fuchsii 06.09.2018, 16:41 Uhr

    Genau wegen solcher Korruption...sind die wartenden wieder die Leidtragenden!! Wir warten seit bald 5Jahren auf ein Spenderherz...haben erst kürzlich in die Klinik nach Essen gewechselt und nun Das!! Wer schützt die Wartenden...was passiert nun mit all den Patienten in Essen... Ich hoffe sehr dass deshalb Organspender nicht resignieren..bitte denkt an diejenigen die Hoffnungsvoll warten.. Sie können nichts dafür!

  • 10 Frank 06.09.2018, 13:10 Uhr

    Und genau solche Machenschaften "drücken" die Spendenbereitschaft. Es müssen deutlich höhere Strafen für Mediziner UND Kliniken her damit es sich nicht mehr "lohnt". Die "Verschärfungen" gehen nicht weit genug!

  • 9 Klaus.Bergmann 05.09.2018, 22:17 Uhr

    Ich finde man muss Regen finden um solche Willkür zu stoppen. Es ist ja nicht der erste Fall.

  • 8 Ike Thebike 05.09.2018, 21:58 Uhr

    Das ist einer der zahlreichen Gründe, warum ich aktiv einer Zustimmung zur sogenannten Spende meiner Organe widersprechen werde, sollte Jens Spahn seinen Vorschlag durchbringen. Es sollten erst einmal solche Machenschaften unmöglich sein, bevor man sich zur Organspende bereiterklärt.

  • 7 EMMY 05.09.2018, 20:00 Uhr

    Wie kann es sein , das in der Uniklinik Essen schon wieder ein Transplantationsskandal ist? Der Letzte Chef hat sich auch nicht korrekt verhalten!! Warum hat die Uniklinik nicht ein Team aufgestellt die solche Entscheidungen mit Entschieden? Nicht nur eine Fachabteilungen? Ein Team aus Fachpflege, Anästhesie, Herzchirurgie und von der Deutschen Gesellschaft für Organspende! Diese keinen alle Patienten und haben eine Liste von den Patienten die im Uniklinikum behandelt werden sowie Dringlichkeit und nicht Gekdmacherrei. Dies gilt auch für Lungentransplatation......! Ich hoffe es Spenden trotzdem Menschen weiter Organe. Es ist sehr wichtig Menschen, denn viele warten auf ein Organ. Kinder, Jugendliche....! Ich würde den Gesetzentwurf unterstützen, denn ich habe viele Menschen sterben sehen die kein Organ erhalten haben! Die Angehörigen waren sehr traurig und wütend, auf Nachfrage hätten die meisten selbst keinen Spenderausweis. Ich bin sehr enttäuscht von der Uniklinik!!

  • 6 Anonym 05.09.2018, 17:14 Uhr

    Es lohnt sich, bei im Ablauf solcher Transplantionen eingebundenen Abteilungen wie der Anästhesie und vor allem der Nephrologie zu suchen. Dort wird man auch fündig !

    Antworten (1)
    • Anonym 06.09.2018, 10:45 Uhr

      Die Anaesthesie und die Nephrologie stellen aber nicht die Indikation zur Transplantation der Leber.

  • 5 Ulrich 05.09.2018, 17:05 Uhr

    Ich bin im November 17 transplantiert worden ( Leber) und mir geht's wieder gut. Grüße aus Portugal.

  • 4 Nicole 05.09.2018, 14:46 Uhr

    Slogan der Klinik: Spitzenmedizin und Menschlichkeit Ein Slogan, den diese Klinik bestimmt nicht auszeichnet. Weder das eine, noch das andere wird in dieser Klinik betrieben, sowohl mit Patienten, als auch mit dem Personal.

    Antworten (1)
    • Ulrich 05.09.2018, 17:09 Uhr

      Kann ich nicht bestätigen bin transplantiert und seht gut versorgt worden.

  • 3 Alexandra 05.09.2018, 14:44 Uhr

    Noch sind wenige Infos öffentlich, also kann bislang niemand von uns normalen Lesern ein Urteil fällen. Die Abwägung des Risikos einer großen Operation (hier Lebertransplantation) gegen das Risiko der Krankheit selbst ist schwer, nie exakt möglich und immer auch eine Ermessensfrage. Dabei ist die Prognose einer vielleicht fortschreitenden Erkrankung, die Berücksichtigung der bereits vorhandenen Einschränkungen und deren Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten und dessen individueller Leidensdruck mit zu beachten. Selbst wenn hier vielleicht auch persönliche Eitelkeit oder die Profilierung von Klinik und Personen eine Rolle gespielt haben sollten, bleibt es dabei, dass vermutlich sehr schwer kranke Menschen operiert wurden, die bei erfolgreicher Transplantation ein deutlich leichteres Leben hätten führen können. Und dass diese Patienten dies trotz der bekannten Risiken auch wollten. Mein Mann und ich hoffen derzeit ebenfalls auf eine Transplantation (Lunge). Trotz der Risiken.

  • 2 Mario Bremges 05.09.2018, 14:08 Uhr

    Leider wird dieser Vorfall wieder ein wunderbares Argument werden für die, die sich der Verantwortung der Organspende nicht stellen wollen und ständig neue Ausreden finden, warum sie nicht spenden. Das sind Einzelfälle! 10.000 Menschen warten auf ein Organ! Und auch wenn die Geldgier einiger weniger Ärzte unerträglich ist: nicht zu spenden verhindert nicht solche Taten! Wenn Sie aus solchen Gründen nicht spenden, bestrafen Sie nicht die Ärzte, sondern schwerkranke Menschen, die auf das Geschenk der Organspende angewiesen sind.