Seit dem Hochwasser: Viele neue Helfer für THW und Co

Viele Helfer des THW Hattingen beim Bau einer Brücke nach der Flutkatastrophe

Seit dem Hochwasser: Viele neue Helfer für THW und Co

Von Daniel Chur

In ganz NRW steigt seit dem Hochwasser das Interesse an einer Mitarbeit bei ehrenamtlichen Organisationen. Das THW in Hattingen ist nur ein Beispiel für diesen Trend.

"Errichtet 2021 durch das Technische Hilfswerk nach dem Starkregenereignis 'Tief Bernd'" - die silberne Plakette prankt gut sichtbar am Holzgeländer der neuen Brücke über dem Felderbach in Hattingen. Die alte Brücke wurde im Juli durch das Hochwasser weggerissen, als der Bach zum reißenden Strom wurde. Das Hattinger THW hat innerhalb weniger Wochen nun eine neue provisorische Brücke gebaut.

Ehrenamtliche Arbeit

Drohnenaufnahme mit Kran von oben: THW baut provisorische Brücke nach Hochwasser in Hattingen

Großes Gerät und viele Helfer beim Brückenbau in Hattingen

Tatjana Gaubatz, Annika Sirrenberg, Christian Ludwig und Fabian Weingarten stehen vor der Brücke, die so gut wie fertig ist. Sie schauen zu, während um sie herum mit allerhand Geräten und einem Gabelstapler die Mitarbeiter des THW wuseln. Ihre künftigen Kollegen - denn alle vier haben sich für eine ehrenamtliche Mitarbeit bei der Organisation beworben.

Landesweiter Trend

Im Moment freut sich das THW, nicht nur in Hattingen, über viele neue Bewerber. Seit dem Hochwasser habe es über 30 neue Bewerber gegeben, knapp über 20 kommen nun zur Truppe hinzu und machen bald eine sechsmonatige Grundausbildung dort. "Normal haben wir drei bis fünf Neue in so einem Zeitraum", berichtet Ortsgruppenleiter Ingo Brune.

Das THW baut gerade provisorische Brücken in Hattingen

Seit der Flut ist das THW Hattingen praktisch im Dauereinsatz

Ähnlich hoch ist auch die Nachfrage bei den Ortsgruppen in Bochum oder Mülheim. Landesweit habe es über tausend neue Bewerber seit dem Hochwasser gegeben, heißt es aus der NRW-Zentrale. Ähnliches berichten übrigens auch das Deutsche Rote Kreuz und in manchen Städten auch die Freiwilligen Feuerwehren.

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Hochwasser bewirkte Schub

"Ich habe schon länger darüber nachgedacht, mich ehrenamtlich zu engagieren", erzählt Annika Sirrenberg, "das Hochwasser hat mir dann den letzten Schub gegeben, mich zu informieren und dann im Ortsverband die Grundausbildung anzufangen."

Ganz ähnlich berichtet es Tatjana Gaubatz. Sie erlebte erst, wie eine Brücke an ihrem Arbeitsplatz von der Flut weggerissen wurde und wie in den Wochen danach das THW anpackte und eine neue baute. Ihre Entscheidung, sich der Truppe anzuschließen, war da schon gefallen.

Seit Wochen im Einsatz

Dass man in Hattingen während und nach dem Hochwasser praktisch täglich die blauen Fahrzeuge und die Helfer in ihren blauen Uniformen im Alltag gesehen hat, hat wohl zum aktuellen Hoch des THW beigetragen. Fabian Weingarten betont, dass auch die Technik ihn fasziniert.

Held:innen und Helfende nach der Flut Lokalzeit-Geschichten 25.07.2021 29:29 Min. UT Verfügbar bis 25.07.2022 WDR

Die Bewerber seien ganz unterschiedlich, so Leiter Ingo Brune. Von der Schülerin bis hin zum Richter sei alles dabei. Der Richter ist in dem Fall Christian Ludwig. Eigentlich sei er ja Kopfarbeiter und mit technischen Dingen gar nicht bewandert. Aber: "Ich bin sehr optimistisch, dass ich hier beim THW entsprechend gut ausgebildet werde."

Einer der beim Brückenbau beteiligten Mitarbeiter macht ihm da Mut. Hier könne man viel lernen - und: "Die Kameradschaft, die findet man woanders kaum so gut wie beim THW."

Nach dem Unwetter - die Schäden im Ruhrgebiet

Bilder der Verwüstung und Überflutung. Rekordstände der Bäche und Flüsse, vollgelaufene Keller und Häuser - die Tage nach dem Starkregen.

Die Verbundungsstraße von Breckerfeld ins Volmetal ist durch Hochwasser zerstört

"Es knallte fürchterlich, als die Teerplatten und das Gestein wegbrachen", erzählt Petra Höllmer aus Hagen. Sie wohnt an der Straße, die von Breckerfeld ins Volmetal führt und die bei dem Unwetter plötzlich verschwand.

"Es knallte fürchterlich, als die Teerplatten und das Gestein wegbrachen", erzählt Petra Höllmer aus Hagen. Sie wohnt an der Straße, die von Breckerfeld ins Volmetal führt und die bei dem Unwetter plötzlich verschwand.

Ihre Nachbarn sind bei Verwandten untergekommen. Aber die Straße wird monatelang niemand mehr nutzen können.

Auch in Hagen-Dahl ist eine Fahrbahn abgesackt. Die Brücke, die erst im vergangenen Jahr neu gebaut wurde, ist völlig zerstört. Die Gasleitung liegt frei.

Der Krisenstab der Stadt Hagen hatte bereits am Mittwoch den Katastrophenfall ausgerufen. Die Bundeswehr kam mit Räumpanzern, um die Verwüstungen nach zwei Tagen Regen zu beseitigen. 200 Soldaten sind im Einsatz.

Am Donnerstagmorgen haben Soldaten mehrere Mitarbeiter eines Stahlwerks in Sicherheit gebracht. Sie waren die ganze Nacht in ihrem Betrieb eingeschlossen.

Diese Sandsäcke haben wohl verhindert, dass die halbe Hagener Innenstadt vollläuft. Die großen Einkaufsgalerien und einige Geschäfte sind geschlossen. Auch das Hagener Rathaus bleibt dicht, denn dort stand das Wasser im Erdgeschoss.

Das ist nicht der Amazonas, sondern die Ruhr bei Hattingen. Mit einem Pegelstand von sieben Metern hat der Fluss einen Rekordhöchststand erreicht.

Und Entspannung ist nicht in Sicht - auch nicht für dieses Hotel und den Campingplatz. Denn aus dem Sauerland wird weiteres Wasser erwartet.

In der Nacht zu Freitag hatte die Feuerwehr in Hagen kaum noch Einsätze. Die Auswirkungen des Jahrhunderthochwassers sind aber noch deutlich zu erkennen.

In einem Kaltwalzwerk in Hagen Hohenlimburg stand der Schlamm hüfthoch. Durch das Unwetter wurden Tore der Halle eingedrückt. Der Schaden beläuft sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

In Hagen ist die Bundeswehr nach wie vor im Einsatz: Hier wird mit Hilfe eines schweren Einsatzfahrzeuges ein Auto angehoben.

Unermüdlich packen die Helfer in den Überschwemmungsgebieten an. Um viele geparkte Autos, wie hier in Hagen-Nahmer, konnte sich bisher aber niemand kümmern.

Stand: 26.08.2021, 08:07