Großbrand in Essen: Wohnkomplex ist einsturzgefährdet

Stand: 21.02.2022, 20:53 Uhr

Ein Wohnkomplex in der Essener Innenstadt stand lichterloh in Flammen. 39 Wohnungen sind komplett zerstört. Die Bewohner konnten sich retten. Wie konnte es zu dem verheerenden Feuer kommen? Es gibt viele Fragen.

Im Essener Westviertel ist in der Nacht zum Montag ein ganzer Wohnkomplex abgebrannt. Wie es zu dem Feuer kommen konnte, müssen Ermittler noch herausfinden. Aber klar ist bereits: der Brand, der laut Feuerwehr vermutlich auf einem Balkon begonnen hatte, verbreitete sich rasend schnell. Zeitweise stand das ganze Gebäude lichterloh in Flammen.

Dämmstoff als Beschleuniger?

Ein Wohnkomplex in der Essener Innenstadt steht in Flammen

Ein Wohnkomplex in der Essener Innenstadt steht in Flammen

Feuerwehrsprecher Mike Filzen sieht den starken Wind als einen Grund dafür, dass sich das Feuer so rasendschnell ausbreiten konnte. "Da ist sicher ganz maßgeblich der Sturm die treibende Kraft gewesen", sagte er dem WDR.

Nach Angaben von NRW-Innenminister Herbert Reul könnten auch Dämmstoffe das Feuer zusätzlich begünstigt haben. Das vermutet auch Donato Muro, der als Brandschutzingenieur arbeitet: "Auf der einen Seite möchten wir dämmen wegen der Heizkosten. Auf der anderen Seite kann es aber auch einen Kamineffekt geben, wenn es genau zwischen der Dämmung und der Wand brennt."

Anwohner in Schlafanzügen aus Wohnungen gerannt

Laut Feuerwehr erlitten drei Bewohner bei dem Feuer eine Rauchgasvergiftung. Sie konnten das Krankenhaus bereits wieder verlassen. Viele der Betroffenen und auch Menschen aus der näheren Nachbarschaft wurden kurzzeitig im benachbarten Audimax der Universität Duisburg-Essen untergebracht - teilweise in Schlafanzügen. Laut Stadt haben mittlerweile aber alle eine Bleibe gefunden.

39 Wohnungen auf vier Etagen sind komplett ausgebrannt, weitere durch Rauch oder Löschwasser zerstört. Nach Angaben des Wohnkonzerns Vivawest haben rund 100 Menschen ihr Hab und Gut verloren. Die Feuerwehr spricht von einem "noch nie da gewesenen Brand".

"Man war in der Hölle"

Der Wohnkomplex steht lichterloh in Flammen. Die Feuerwehr ist vor Ort.

Der Brand greift rasend schnell um sich

Lennart Diedrich beobachtete die dramatische Situation aus einem Nachbarhaus. "Das war wirklich schlimm, Endzeitstimmung, man hatte das Gefühl, man war in der Hölle. Der Wind peitschte, Flammen loderten und ganz viele Funken flogen meterhoch umher. Das war wirklich unglaublich."

"Das ging alles so schnell", sagte ein Anwohner aus dem betroffenen Haus. Er und seine Söhne haben es rechtzeitig aus der Wohnung geschafft, seine drei Katzen konnte er aber nicht mehr retten. "Meine drei Katzen sind in dem Feuer gestorben. Ich könnte weinen, aber ich bin so leer. Ich wollte die Tiere retten, aber es ging einfach nicht mehr, es kamen solche Flammen daraus. Ich glaube, da hätte ich mich selber in den Tod gestürzt."

Roboterhund soll Gebäude erkunden

Der Wohnkomplex ist komplett ausgebrannt. Feuerwehren stehen noch im Vordergrund.

Etwa 100 Menschen sind von dem Großbrand betroffen.

Erst nach Stunden war das Feuer unter Kontrolle. Am Nachmittag waren Brandursachenermittler der Kriminalpolizei vor Ort. Statiker beurteilten Teile des Gebäudes als einsturzgefährdet. Ein neuer Roboterhund der Polizei soll deshalb am Dienstag mit einer Kamera und Sensoren den Brandort erkunden.

Für die Feuerwehr war der Einsatz eine neue Dimension. "Das wurde so von unseren Kräften noch nie gesehen", sagt Christoph Riße, ein Sprecher der Feuerwehr Essen. "Die Brandausbreitung war so massiv, dass wir erstmal schnell die Personen aus dem Gebäude kriegen mussten." Das habe auch gut geklappt, bislang wird davon ausgegangen, dass alle Bewohner rechtzeitig aus dem Haus gerettet werden konnten. "Vermisst wird niemand, aber es kann natürlich trotzdem noch jemand drin sein", so NRW-Innenminister Herbert Reul. Wegen der Statik konnten die Einsatzkräfte bislang noch nicht alle Räume betreten.

Große Hilfsbereitschaft

Die Stadt Essen hat eine Bürgerhotline geschaltet und es soll ein Spendenkonto für die Opfer des Brandes eingerichtet werden. Auch der Eigentümer des Hauses - der Wohnkonzern Vivawest - will einen Hilfsfonds einrichten. Und auch Privatleute haben spontan Wohnungen für die Betroffenen angeboten.

Über dieses Thema haben wir am 21. Februar 2022 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Ruhr, 19:30 Uhr.

Großbrand in Essener Innenstadt

Rund 100 Menschen haben bei dem Feuer alles verloren. Die Feuerwehr war die ganze Nacht im Einsatz, um die lichterlohen Flammen zu löschen. Der Wohnkomplex ist vollständig ausgebrannt.

Der Wohnkomplex steht lichterloh in Flammen

Das Feuer brach in der Nacht zu Montag aus. Alle Etagen standen lichterloh in Flammen.

Das Feuer brach in der Nacht zu Montag aus. Alle Etagen standen lichterloh in Flammen.

Rund 150 Einsatzkräfte kämpften gegen das Feuer.

Für die Feuerwehr war es einer der größten Einsätze in Essen der letzten Jahre.

Die Bewohner konnten sich rechtzeitig retten. Viele von ihnen sind vorerst im Audimax der nahegelegenen Universität untergekommen.

Anwohner beschreiben die Situation vor Ort "wie in der Hölle" und als "Endzeitstimmung".

39 Wohnungen sind unbewohnbar. Rund 100 Menschen haben alles verloren.

Mit Tagesanbruch wird das Ausmaß des Feuers sichtbar.

Die Löscharbeiten daueren auch nach acht Stunden weiter an.

Die Stadt Essen hat ein Spendenkonto für die Betroffenen eingerichtet.

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