Störfeuer von Rechtsextremen vor Stichwahl in Mülheim

Mülheimer Rathaus

Störfeuer von Rechtsextremen vor Stichwahl in Mülheim

Vor der Stichwahl um den Oberbürgermeisterposten am Sonntag gibt es offenbar Störfeuer einer rechtsextremen Gruppierung. Ein Mitglied der Grauen Wölfe in Mülheim soll versucht haben, Einfluss auf den CDU-Kandidaten zu nehmen.

Vor der alles entscheidenden Stichwahl um den Posten des Oberbürgermeisters in Mülheim an der Ruhr am Sonntag gibt es Störfeuer einer rechtsextremen, türkisch-nationalistischen Gruppierung. Ein Mitglied der Grauen Wölfe soll dem CDU-Kandidaten Marc Buchholz ein unseriöses Angebot gemacht haben.

Umstrittene Handy-Nachricht

Es geht um eine Nachricht, die sich per Handy schnell in Mülheim verbreitet hat. Darin soll eine führende Person der Grauen Wölfe in Mülheim geschrieben haben: "Ich habe mit dem CDU-Kandidaten Marc Buchholz gesprochen. Er will unsere Unterstützung. Ich habe zugestimmt und deutlich gemacht, dass ich im Gegenzug immer offene Türen erwarte."

Recherchen des WDR haben ergeben, dass es sich um eine Nachricht handelt, die Ferit S. zugeschrieben wird, der im Vorstand der Grauen Wölfe in Mülheim ist. Die Grauen Wölfe werden vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft. Ferit S. war bei der Kommunalwahl für das "Bündnis für Bildung" angetreten, hatte aber den Einzug in den Stadtrat verpasst.

Manipulationsversuch am Telefon

Offenbar hat Ferit S. bei der CDU in Mülheim angerufen als offizielles Mitglied des Integrationsrates in Mülheim. In dem Gespräch soll er den CDU-Kandidaten Marc Buchholz gefragt haben, ob dieser sich auch als Oberbürgermeister für die Integration von Migranten einsetzen wolle, was dieser bejaht haben soll.

Im Nachgang ist dann die über den Nachrichtendienst Whatsapp verbreitete Meldung in türkischer Sprache aufgetaucht, die sich in der türkischen Community wohl schnell verbreitet hat. Darin wirbt Ferit S. für die Wahl von Marc Buchholz, weil dieser Unterstützung zugesichert habe. Die Nachricht liegt dem WDR vor.

OB-Kandidat weist Vorwürfe zurück

Marc Buchholz bestätigte gegenüber dem WDR das Telefonat mit dem Mitglied des Integrationsrates. Er habe Ferit S. aber nicht in Verbindung mit den Grauen Wölfen gebracht, sondern lediglich mit dem Integrationsrat. Auch Marc Buchholz habe die Nachricht in türkischer Sprache auf seinem Handy erhalten: "Aufgrund von Wahlkampfterminen und da ich der türkischen Sprache nicht mächtig bin, habe ich erst später erfahren, dass der Aufruf beinhaltet, dass ich um die Wählergunst dieser Organisation gebeten habe", so Buchholz gegenüber dem WDR.

Der CDU-Kandidat stellt weiter klar, dass er sich nicht an die Vertreter der Grauen Wölfe gewandt habe und nicht um deren Wählergunst gebeten habe. Darüber hinaus distanziere er sich ausdrücklich von jeglicher Form von Extremismus, somit auch von den Grauen Wölfen. "Offensichtlich wird versucht, meine Integrität durch derartige Falschmeldungen auf der Zielgeraden zur Stichwahl zu diskreditieren", heißt es in einer Pressemitteilung.

Ferit S. war heute für den WDR nicht zu sprechen. Angeblich hat es auch einen Versuch gegeben, die SPD-Kandidatin zu beeinflussen, doch offenbar kam der Kontakt mit Monika Griefahn nicht zustande.

Stand: 25.09.2020, 17:43