Grabsteine in Dortmund mit Hakenkreuzen beschmiert

Grabstein mit Schild der Friedhofsverwaltung

Grabsteine in Dortmund mit Hakenkreuzen beschmiert

  • 19 Grabsteine im Stadtteil Bövinghausen beschmiert
  • Gezielt Namen und Bilder übersprüht
  • Sonderkommission ermittelt

Auf einem Friedhof in Dortmund-Bövinghausen sind 19 Gräber mit zum Teil rechtsextremen Zeichen beschmiert worden. Die Polizei sucht Zeugen, die zwischen Samstagmittag (11.01.2020) und Sonntagmittag etwas beobachtet haben. Es ist nicht die einzige rechte Sprüh-Aktion in jüngster Zeit.

Gräber gezielt ausgesucht?

Irgendwann zwischen Samstag- und Sonntagmittag müssen der oder die Täter mit der Sprühdose auf den Friedhof geschlichen sein. Auffällig: Immer wieder finden sich Gräber, bei denen die Namen oder Fotos von Verstorbenen ganz gezielt übersprüht wurden.

Das ist nicht wahllos in einem Gräberfeld passiert. Die geschändeten Ruhestätten sind über den ganzen Friedhof verteilt. An 19 Gräbern wurden mit schwarzer Farbe Buchstaben, Schriftzüge und Hakenkreuze geschmiert.

Soko "Rechts" ermittelt

Die Herkunft der Verstorbenen war offenbar nicht entscheidend. Es wurden Gräber mit Namen beschmiert, die auf einen Einwanderungshintergrund schließen lassen. Aber auch Gräber mit urdeutschen Namen.

Das Motiv ist unklar, aber es gibt wohl einen rechtsextremen Hintergrund. Daran lassen die gesprühten Hakenkreuze kaum Zweifel. Die Polizei hat einige Schmierereien mit Folie abhängen lassen, bis sie entfernt werden. Eine Sonderkommission ermittelt.

Blogger im Visier von Neonazis

Schriftzug "AG West" auf Stromkasten

Deutlicher wird das Motiv bei rechten Schriftzügen, die um den Jahrswechsel in einem anderen Dortmunder Stadtteil gesprüht wurden. Sie richten sich wohl ganz gezielt gegen einen bekannten Nazi-Gegner: den Blogger Robert Rutkowski. In seiner Nachbarschaft hatten Unbekannte unter anderem "AG West" gesprüht, aber auch an einen Stromkasten, der direkt vor Rutkowskis Haus steht.

Die "AG West" ist eine gewaltbereite Gruppe aus der Dortmunder Neonazi-Szene. Rutkowski engagiert sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus. Er berichtet auf Twitter über fast jede Neonazi-Demo in Nordrhein-Westfalen. Die Botschaft, die hinter den Schmierereien vor seinem Haus steckt, ist deutlich: Die Neonazis wissen, wo er wohnt. Und sie schleichen nachts um sein Haus.

Stand: 15.01.2020, 08:51