Immer wieder Gewalt auf Fußballplätzen

Fußballer trainieren auf einem Sportplatz in Dortmund

Immer wieder Gewalt auf Fußballplätzen

Von Daniel Schmitz, Kristin Trüb

Schlägereien, Beleidigungen und Angriffe auf den Schiedsrichter: Im Ruhrgebiet geht es auch im Jugendfußball seit der Corona-bedingten Spielpause aggressiver zu.

Ein Jugend-Kreispokalspiel in Gevelsberg Ende Oktober. Bis kurz vor dem Schlusspfiff geht es auf dem Platz friedlich zu. Dann kommt es zu einer Auseinandersetzung unter den Zuschauern und wenig später zu einer Schlägerei auf dem Platz. Der Schiedsrichter bricht das Spiel ab.

"Das ist schon erschreckend", sagt eine Zuschauerin, die sich das Spiel mit ihrem Sohn angeschaut hat. "Ich kenne das, dass sich Eltern, zum Beispiel mit Zwischenrufen, immer wieder ins Spiel einmischen. Das kriegen Schiedsrichter und Trainer normalerweise in den Griff. Dass es so eskaliert ist, habe ich bisher noch nicht erlebt."

Flut von Sportgerichtsverfahren im Fußballkreis Dortmund

Allein der Fußballkreis Dortmund muss gerade eine Flut von Sportgerichtsverfahren abarbeiten: Ihm liegen ungefähr 130 Vorfälle aus dieser Saison vor. Im Kreis Hagen/Ennepe-Ruhr kommt es derzeit wöchentlich zu neuen Zwischenfällen.

"Das hat uns ein bisschen überrascht, weil wir dachten, dass nach Corona alle froh waren, wieder auf den Sportplatz zu kommen und sich benehmen würden", sagt Patrick Lepperhoff, der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses. "Leider ist bei einigen Personen genau das Gegenteil der Fall."

Erste Schiedsrichter hören auf

Im Kreis Hagen/Ennepe-Ruhr hören die ersten Schiedsrichter aufgrund der Gewaltvorfälle auf. Sie wollen für ein Hobby nicht ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, sagt Patrick Lepperhoff.

Weil den Fußballkreisen ohnehin schon Schiedsrichter fehlen, ist das ein großes Problem. In den untersten Spielklassen vieler Kreise können einige Partien nicht mehr mit Schiedsrichtern besetzt werden. Dann müssen sich die Vereine untereinander auf einen Schiedsrichter einigen.

Immer häufiger sind Zuschauer involviert

Andree Kruphölter ist Beisitzer im FLVW-Präsidium

Andree Kruphölter hat das Anti-Gewalt-Konzept des FLVW miterarbeitet.

Auch der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) beobachtet, dass das Aggressionspotenzial steigt. Vorkommnisse auf dem Spielfeld habe es leider schon immer gegeben. Neu ist, dass nun vermehrt auch Zuschauer in die Auseinandersetzungen verwickelt sind. "Für den Verband ist es sehr schwierig, an diese Personen heranzukommen", sagt Andree Kruphölter. Er ist Beisitzer im FLVW-Präsidium und zuständig für den Bereich Gewaltprävention. "Der Verein oder die Spieler kennen die Zuschauer vor Ort vielleicht persönlich. Aber wir als Verband können kaum einschätzen, wer dazu neigt, auffällig zu werden."

FLVW will nach Abschluss der Hinrunde ein Lagebild erstellen

Der FLVW ist überzeugt, dass es sich bei der Entwicklung um ein gesellschaftliches Problem handelt. Bedauerlich sei, dass sich manche Menschen die Plattform Fußball aussuchen würden, um Gewalt auszuleben. "Es ist auch die Aufgabe der Kommunen, dagegen vorzugehen", sagt Andree Kruphölter.

Nach Abschluss der Hinrunde will der FLVW ein Lagebild erstellen. Dann wird feststehen, ob die Vorfälle im Vergleich zu den Vorsaisons tatsächlich zahlenmäßig zugenommen haben. Sein Anti-Gewalt-Konzept müsste der Verband in diesem Fall noch einmal anpassen.

Stand: 26.11.2021, 10:32