Germanwings-Absturz: Gericht weist Klage von Hinterbliebenen ab

Klage im Germanwings-Prozess wird abgelehnt Aktuelle Stunde 01.07.2020 UT Verfügbar bis 08.07.2020 WDR Von Thomas Becker

Germanwings-Absturz: Gericht weist Klage von Hinterbliebenen ab

  • Acht Hinterbliebene haben Lufthansa verklagt
  • Gericht hat Klage abgewiesen
  • Kosten tragen die Kläger

Am Landgericht Essen ist am Mittwoch (01.07.2020) der Schmerzensgeld-Prozess um den Absturz einer Germanwings-Maschine in den französischen Alpen zu Ende gegangen. Die Klage wurde abgewiesen. Die Kläger müssen die Kosten des Prozesses selber tragen. Die medizinische Überwachung von Flugschülern sei keine Aufgabe der Lufthansa, sondern des Staates.

Der Co-Pilot soll die Maschine am 24. März 2015 absichtlich gegen einen Berg gesteuert haben. Alle 150 Menschen an Bord starben, darunter 16 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrerinnen aus Haltern.

Co-Pilot hatte Depressionen

In dem Prozess hatten jetzt acht Hinterbliebene der 150 Opfer gegen den Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa und eine Lufthansa-Flugschule in den USA geklagt. Der Pilot hatte seine Ausbildung dort trotz einer schweren Depression mit einer Sondergenehmigung beenden können.

Die Lufthansa hat den Angehörigen der Opfer bereits 10.000 Euro pro Person und je Todesopfer zusätzlich 25.000 Euro Schmerzensgeld gezahlt. Die Kläger forderten in dem Verfahren 30.000 Euro pro Person und eine Verdopplung des Schmerzensgeldes. Es ging ihnen aber auch um Aufklärung und darum, dass Verantwortliche benannt werden.

Klaus Radner hat bei dem Absturz seine Tochter, sein Enkelkind und seinen Schwiegersohn verloren. Beim Prozessbeginn im Mai sagte er: "Es muss festgestellt werden, dass ein Mensch mit dieser Vorerkrankung nie hätte in einem Cockpit sitzen und fliegen dürfen".

Lufthansa bestreitet Verantwortung

Die Vertreter der Lufthansa betonten dagegen vor Gericht, dass dem Unternehmen aufgrund der Schweigepflicht der Ärzte die Erkrankung des Co-Piloten gar nicht bekannt gewesen sei. Das Unglück sei nicht vorhersehbar gewesen.

Mit dieser Kontroverse hat das Gericht sich beim Prozessbeginn aber nicht befasst. Denn die Richter bezweifeln, dass die Beklagten überhaupt die Richtigen sind. Möglicherweise sei die medizinische Überwachung von Flugschülern keine Aufgabe der Lufthansa, sondern des Staates.

Stand: 01.07.2020, 21:22

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